Dienstag, 7. Dezember 2010

Veränderte Zeiten - Kochen und backen annodazumal

Im Zuge des weihnachtlichen Backens fiel mir dieses Kochbuch wieder mal in die Hände. Es stammt nicht mal aus meiner Familie, aber ich habe eine unglaubliche Beziehung zu ihm. Ich fand keinen Eintrag über sein Alter. Eine alte Malerin starb, sie war hier sehr bekannt. Aus dem Nachlass durfte ich mir Bücher nehmen, einfach so! Und ich nahm, mein Sammlergen ging mit mir durch. Alles wäre sonst auf den Container gewandert, das Haus mußte wegen Verkauf umgehend geräumt werden. Das Buch gehörte ihrer Mutter und muss also sehr alt sein. Kann mir jemand was dazu sagen?

Wie sich die Zeiten geändert haben! Um die Rezepte zu lesen, muss man sich echt mit Brille sehr anstrengen, alles läuft ineinander. Kaum Zeichnungen, nur Text, eng an eng.

Servietten wurden damals gebrochen - heute falten wir sie!



Und dann das hier: Das Kochbuch meiner Oma. Meine Mutter besaß dann die nächste Generation und ich wieder die nächste. Und alle sind noch hier! Dieses ist von 1937, es hatte schon Farbdrucke. Wenige, aber immerhin.


Der abgebildete Kindergeburtstag - Fotos im damaligen Zeitgeist. Brave Kinder! Oder?

Dieses Kalenderblatt lag auch im Buch.



Na- und die Götterspeise koche ich heute noch ab und an. Waldmeister - ich liebe sie!


Und dann? Und heute? Hab ich wieder Lavendelplätzchen gemacht, diesmal ein anderes Rezept. Ich habe es etwas abgewandelt, ich backe den Lavendelzucker mit den Blüten ein und wälze nicht nur darin.



Heute ist es so einfach! Wir haben übersichtliche schöne bunt bebilderte Bücher, mit gut lesbaren Rezepten! Wir setzen uns an den Computer, gehen in entsprechende Programme und kopieren uns die Rezepte oder schicken uns welche per Mail!

Und? Mir gefallen die alten Bücher trotzdem, weil sie eine Seele haben, ich bin verbunden mit ihnen. Wenn man früher jemandem ein Rezept per Hand abgeschrieben hat, war das viel intensiver, hat viel mehr Zeit gekostet, war viel persönlicher als heute einfach mal jemand - hoppla - eine Mail zu schicken! Oder?


Die vielen fliegenden Blätter in den Büchern sind viel schöner als eine Computerdatei.


Ach, und damals hatten die Frauen auch nicht so viel zur Verfügung. Da wurde aus wenigem *Viel* gekocht. Ich erinnere mich an eine Fernsehsendung mit der verstorbenen Politikerin Regine Hildebrandt, die Mutter Courage des Ostens. Sie backte einen Kuchen, einen Frankfurter Kranz. Und weil sie es so von ihrer Mutter gelernt hatte, kamen keine Mandeln außen dran, sondern geröstete Haferflocken. Das hat mich schwer beeindruckt - wie überhaupt die ganze Frau.


In diesem Sinne: Weiterhin gutes Gelingen beim Kochen!

Kommentare:

  1. Ich habe genau zugeschaut. Frauchen hat die Lavendelplätzchen mit Dinkelmehl sofort nachgebacken und ich muss Dir sagen: Hmmmmmmm lecker zum Tee mit Freundin - die war ebenfalls sehr angetan....Tja - wie schon immer von mir behauptet: Bloggen erweitert den Horizont. Deine alten Kochbücher sind wunderschön und ich soll Dir sagen, dass Frauchen da zwei besitzt, die zwar aus den ganz frühen 50er Jahre sind und damals der Mutter als Hochzeitsgabe von der Stadt geschenkt wurde. Sie schaut hin und wieder auch gerne mal rein.
    Wuff und LG
    Aiko - die Lavendelkekse waren durch den Lavendelzucker (noch aus der letzten Saison im Glas gut verschlossen) ein toller Tipp.

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  2. Dies erste Buch muss sehr alt sein. Selber besitze ich zwar auch noch einige von meiner Oma und meiner Mutter, aber sie sind lange nicht so alt.

    Was du schreibst, ist ganz richtig. Wir haben es heute ja viel, viel einfacher und denoch wird in vielen Familien keine richtige Mahlzeit mehr zubereitet. Vielfach lebt man nur nach fertig zubereiteter Tiefkühlkost. Essen gehört zur Kultur, das wird mir jedes Mal wieder bewusst, wenn wir unsere Familie in Italien besuchen. Da wird die Esskultur noch bestens gepflegt. Und alle haben gerne daran teil. Es sind richtig schöne Zeremonien.

    Weißt du, und dann denke ich mir manches Mal, wieviel einfacher wir es doch haben im Vergleich zu unseren Müttern und Großmüttern, und doch ist immer so wenig Zeit vorhanden.

    Wobei ich da schon wieder einen Wandel feststelle, meine Tochter und Schwiegertochter sind fantastische und begeisterte Köchinnen.

    Und der Signore ein begeisterter Esser!

    Ich fand den Bericht sehr schön!

    Lieben Gruss, Brigitte

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  3. Ich habe von meiner Mutter noch ein Dr Oetker Schulkochbuch von 1956. Es hat damals 2.60DM gekostet. Ich habe aber schon lange nicht mehr reingeguckt.
    Regine Hildebrandt habe ich auch sehr gemocht. Sie war einfach "echt".

    ♥liche Grüße
    Margrit

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  4. Wie Recht du hattest, dieses alte Kochbuch der Malerin zu nehmen. Es ist doch eine Art Zeitgeschichte, wenn du darin liest und siehst, welche Zutaten für ein Rezept benötigt wurden und wahrscheinlich die noch etwas "umständlichere" Art des Zubereitens kennenlernst. Das Sammeln von Kochbüchern war meine erste Sammelleidenschaft und zwar alt und neu! Dann kamen die Gartenbücher :-) !!
    Liebe Grüsse,
    Barbara

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