Montag, 28. März 2011

Zurück zu den Wurzeln - back to roots

Mein elektronischer Buchhändler empfahl mir ein Buch von John Seymour – Das neue Buch vom Leben auf dem Lande. Na, so neu ist mir das nicht, ich besitze es seit Jahren, vielen Jahren. Und das andere auch: Selbstversorgung aus dem Garten. Ebenfalls von Seymour. Ich kenne den Mann nicht, hab nie ein Bild von ihm gesehen, weiß auch nicht, wie alt er ist. Ich guck auch nicht nach. Aber: Die Bücher sind klasse.


Als mein Vater sie mir vor eben diesen vielen Jahren schenkte, weil er sie ausgelesen hatte, dachte ich: Was will er damit erreichen? Ich hab doch keine Zeit, ich zieh grad die Brut groß!


Kurz drauf war die Brut verschwunden, das Nest leer und die Bücher wurden mir wichtig. Das mit der Selbstversorgung wird hier niemals klappen, ein Garten am Wald mit Betonboden gibt das nicht her. Nur mein Hochbeet – ein Neues – ist mein Highlight in Sachen Kräutern und Staudenvermehrung. Und wie ich in einschlägigen Zeitschriften las, wird das Leben auf dem Lande grad modern. In Zeiten des Krieges, der Flutwellen und Atomkatastrophen zieht der Mensch sich gerne auf die eigene Scholle zurück – verständlich. Wem geht das nicht so. Und ich kann wirklich sagen, dass es nicht wichtig ist, dass der Garten dem gängigen Modeideal entspricht, man darf glücklich in ihm sein, egal ob in ihm rote Geranien neben gelben Tagetes wachsen oder ob der Besitzer Buchsformationen favorisiert und mit anderen wetteifert, wer die schönsten Clematis hat. Na, und wenn der Besitzer oder die Besitzerin dann noch Platz hat, Gemüsebeete anzulegen, Obststräucher und Bäume anzupflanzen – dann ist das Glück perfekt! Das Leben auf dem Lande ist schön, auch wenn man wie wir in Ritter-Sport-Optik lebt, wie Christian Kress kürzlich sagte (und ich lachen musste) – er meinte damit Waschbetonformationen, und sie sind nun mal hier und bleiben auch! Der erste größere Einkauf beim Staudengärtner liegt hinter uns, endlich hab ich eine neue Zitronenverbene gekauft, sie wird jeden Abend ins Haus getragen, weil sie nicht frostfest ist – wir hoffen, dass wir sie nicht eines Abends draußen vergessen, das wäre schlecht. Dann müsste ich wieder zum Staudengärtner fahren – eine gute Ausrede, nicht wahr? Ich hab mir keine Hornveilchen dort gekauft, sondern Salvia nemorosa Schwellenburg (er hat eine außergewöhnliche purpurne Blütenfärbung) und Geranium Elke, im Hinblick auf kommende Trockenheiten. Die neuen Sanguineum gefallen mir besser als die alten Sorten mit den ewig pinkroten Blüten. Elke und Apfelblüte sowie Striatum sind meine Favoriten! Ja, und da wär da noch die Sache mit der Kaffeemühle – zumindest hier ist mein Weg zu den Wurzeln kläglich gescheitert. Auf dem Flohmarkt kaufte ich mir eine wunderschöne alte Kaffeemühle, Gedanken an meine Uroma wurden wach. Wirklich? Oder ist das nur meine verklärte Erinnerung? Vermutlich, denn ich erinnere mich momentan daran, dass meine Uroma eine elektrische Kaffeemühle besaß und mit dem Finger ins laufende Mahlwerk fasste. Die Kuppe war ab! Mr. Wonderful besorgte mir ein wohlduftendes halbes Pfund Kaffeebohnen (…ich weiß, es sind 250 Gramm!) und ich wollte mal eben schnell Kaffee für eine Kanne mahlen! Dieses Unterfangen ließ ich schnell sein, nachdem mir fast der Arm abfiel. Nein, ich kaufe weiterhin gemahlenen Kaffee oder lasse mahlen! Man soll doch mit der Zeit gehen … Der Gnädigste hat jetzt dieses nicht elektrische Mahlwerk übernommen und sitzt brav, ganz die Oma als Vorbild, auf dem Stuhl mit der Mühle zwischen den Beinen und mahlt und mahlt und mahlt – und wenn das halbe Pfund nicht bald all wird, mahlt er immer noch! Somit wird jede Tasse selbstgemachter Kaffee zu einem echten Genuss – wir sind doch wirklich sehr verwöhnt in der heutigen Zeit.

Zum Austrocknen stecke ich die Gartenhandschuhe immer auf Bambusstäbe, das hat sich bewährt. Rechts unten die Heuchera Chrispy Curly, die mir jemand geschenkt hat, etwas Schönes!
Jedes Jahr der Kracher, die gefüllten Helleborus Orientalis



Als ich diesen Sämling fand, stoppte mir der Atem. Er ist ein Traum, hineingefallen als Samen mitten in eine andere Pflanze, die jetzt auch hochkommen will. Also habe ich ihn getopft, um zu sehen, ob es eine eigene Auslese wird. Sicher werden die Blätter nicht ganz so rot bleiben.

Die Mutter dürfte Geranium x oxonianum 'Katherine Adele' sein, der Vater hat sich heimlich davon gemacht!


Der Kompost ist umgesetzt, und viel davon im neuen Hochbeet. Die Saison kann beginnen!

Morgen bekomme ich Gartenbesuch, darauf freue ich mich, auch darauf, dass von da an viele meiner Pflanzenkinder in einem anderen Garten, der noch Platz hat, weiterwachsen werden!

Kommentare:

  1. einen wunderschönen Blog hast Du uns da geschrieben!
    die Bücher werden sehr teuer gehandelt, da hast du ein echtes Schätzchen!!!
    und welche schönen Lenzrosen Du hast, meine sind noch so winzig in der Kälte wollen sie nicht wachsen
    und ich habe draußen nur die Hornveilchen, alles andere würde noch erfrieren
    Frauke

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  2. Liebe Sigrun,
    einen sehr schönen Beitrag hats Du da geschrieben!
    Sei ganz herzlich gegrüßt und vergiss die Verbene nicht, es soll die Nacht kalt werden...:o))
    Birgit

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  3. Ich darf mich anschließen, ich fand diesen Beitrag auch sehr ansprechend und interessant geschrieben. Eigentlich jedem Gärtner, der seinen Garten liebt, aus tiefster Seele!

    Mir ist das auch wurscht, ob ich jetzt den diversen Vorgaben genüge oder aber nicht, mir gefallen eher so Erlebnisse, wie es dir mit deinem Sämling geschehen ist. Das sind schöne Augenblicke.

    Und schöne Einblicke in den Garten, die sind hier auch etwas besonderes.

    Lieben Gruss, Brigittre

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  4. Hach, war das ein schöner Beitrag. Die Gartenliebe spricht so richtig aus Deinen Worten.
    Wer will schon einen Designergarten? :)

    Viele Grüße
    Margrit

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  5. So schöner Beitrag!! Ganz meine Wellenlänge, ich mag manche Pflanzen aus nostalgischen Gründen, wegen Erinnerungen oder auch, weil die Schnecken sie nicht mögen und ich dann nicht soviele Enttäuschungen erleben muss. Manche liebe ich auch deswegen, weil sie so gerne bei mir sind und sich freudig vermehren, was mich auch freut, wenn es sich nicht gerade um wildes Gras handelt, dass sich unter den Knollen der Bartiris hindurch vermehrt.
    Es hilft halt nix, Garten und Arbeit gehören zusammen!
    Dazwischen mal ein Kaffee und weiter geht´s ;-)
    Liebe Grüße und schönes gartenarbeitssame Tage
    Elisabeth

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  6. Hallo Sigrun,
    das Seymour-Buch habe ich auch (also nicht das "Neue Buch vom Leben auf dem Land" sondern das etwas ältere "Leben auf dem Lande" aus den 70er Jahren). Ich mag besonders die anschaulichen Zeichnungen darin. Man muss eigentlich gar nichts lesen. Die Bilder sagen schon alles ;-) Ich weiß aber nicht, ob alle seine Bücher so schön illustriert sind. Dein Geranium-Sämling gefällt mir sehr...was ganz Besonderes!
    Liebe Grüße von Martina

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  7. Hallo liebe Sigrun, so ist es mit dem Alter wird man weiser und dann besinnt man sich gewollt oder ungewollt alter Dinger und Ratschläge aus längst vergangenen Zeiten, werden auf einmal höchst interessant. Du bist sehr weit schon in die Geheimnisse der Bücher von Deinem Vater eingetaucht. Daher so viel gute Tipps und auch soviel Erfolg im Garten. Schön, wie Du das alles beschrieben hast. Hat meinem Frauchen großen Spaß gemacht.
    Wuff und LG
    Aiko

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  8. Al, was für ein schöner Beitrag!
    Das Buch mit der Selbstversorgung habe ich auch, ich hatte es schon oft im Buchladen bewundert und dann habe ich es letztes Jahr ganz billig in einem Antiquariat bekommen können.
    Ich habe auch festgestellt, Landleben ist wohl absolut "in". In den Buchhandlungen jagt ein Titel über Leben auf dem Lande etc. den anderen (und der Rest im Bereich "Living" sind die Bücher über Wohnen in weiß!) Ich habe den Eindruck es wollen so einige damit das schnelle Geld machen...
    Dein neues Hochbeet sieht viel größer aus als das alte, oder?
    Ich wünsche Dir und Mr. W. ein schönes Wochenende. liebe Grüße, Moni

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  9. Die Geschichte mit der Kaffeemühle hat mich schmunzeln lassen. Ja, ja, back to the roots (ich bin bei meinen Wurzeln als Landei geblieben...seit ich auf der Welt bin:-) !!), aber Neuerungen die das Leben erleichtern dürfen/müssen schon sein. Sonst hätten wir ja gar keine Zeit mehr für den Garten ;-) !
    Liebe Grüsse,
    Barbara

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