Montag, 6. August 2012

Küchenselbstgespräche

Ich bin keine gute Hausfrau im üblichen Sinne, es wird erledigt, ja, aber als notwendiges Übel. Alles wird so nebensächlich mit der Zeit, und im Grunde habe ich in der Saison zwei wichtige Themen, die da wären: Garten und Pflanzen, allenfalls noch Bücher, meist auch über dieses Thema. Sowas soll ja vorkommen, ich steh da nicht allein. Und so ertappe ich mich bei einem stillen Selbstgespräch in der Küche, erinnere mich an gute Gespräche mit Gärtnerinnen über Gärtner, oder auch an Gärtnergespräche, in denen man ganz viel mit heimnehmen kann.
Der Mohn, Papaver somniferum, ist abgeerntet, dies ist nur ein winziger erster Teil, der in der Küche in einer Olivenölkanne trocknet, bevor er in die Samenbank geht. Mein Mohn ist begehrt, denn er hat viele Facetten, gefüllt, oder plan, puschelig in vielen Farben von rot über lila und rosa. Ich verschicke ihn mit der Post, man braucht mich nur zu fragen. Gelegentlich bekomme auch ich ein Tütchen, auch andere Samen.


Die zauberhafte dunkelrote Rudbeckie, die ich aus Samen selbst gezogen habe, steht nun nach einem unfreiwilligen Bruch in der Küche, seltsamerweise werden die neuen Blüten gelb-orange, sie steht seit zwei Monaten, ohne zu verwelken, treibt immer nach. Eine Pflanze, die man überhaupt empfehlen kann, auch wenn sie nicht zwingend mehrjährig ist. Und schon denke ich wieder ans Bloggen, denn da fällt mir ein: Sowohl der Samen als auch die Empfehlung für die Rudbeckie wäre doch was für Günstig gärtnern, unsere Mitbloggerin, wie immer sparsam!



Seit ich meine Vorliebe für Knofel entdeckt habe, werden die Knollen hier viel verwendet, gekocht, nie roh. Dieser ist gekauft, der dritte in diesem Jahr, alle waren stockig im Geschmack. Enttäuschend, selbst für Ware, die vom Wochenmarkt kommt. Aber - und hier ist wieder Eigeninitiative angesagt: Frau weiß sich zu helfen - seit zwanzig Jahren ziehe ich Knoblauch auf dem Hochbeet, deutsche Ware, die auch kälteste Winter im Boden überlebt. Die Blütenstände schneide ich ab, einige wenige lasse ich aussamen, denn aus den kleinen Saatzwiebelchen sind rasch neue Knollen gezogen. Diese Knollen lagere ich über Winter in einem Korb im Keller, vorgestern habe ich geerntet (Bild folgt), satte zwanzig Knollen, da freut Frau sich doch - und hat der landwirtschaftlichen Missproduktion wieder mal ein Schnippchen geschlagen. Im Zeichen des Eurozusammenbruches werden wir vielleicht noch froh sein, wenn wir unsere Stauden gegen Kartoffeln austauschen können, so weit von der Hand zu weisen ist das nicht, oder?


Hütchen trage ich nicht, ich habe einen Presskopf, wie man hier so sagt, zu dick für Standarddamenhüte - und für eine Anfertigung bin ich viiiel zu geizig. Ich frage mich ohnehin, was es mit den vielen Bildern auf sich hat, auf denen schicke Damen mit Hüten gärtnern, vermutlich machen sie nur ein posing für den Fotografen. Wenn ich mit dem Kopf ins Beet tauche und der Bürzel hinten hochsteht, würde kein Hut auf dem Kopf halten.






Als wilde Gärtnerin ohne Plan und vielleicht auch oftmals ohne Verstand habe ich am Wochenende das Hochbeet gesäubert, Rote Beete und Knofi geerntet und fand dabei meinen wunderschönen Phlox *Juliana* (eigener Sämling), munter überhängend und teils platt liegend über dem Beetrand, wahrscheinlich wurde er weggedrückt. Es ist ja auch viel zu voll, aber alles zu verwenden. Drum hab ich ihn eben geschnitten und mir einen schönen Strauß ins Zimmer geholt, den ich vermutlich wieder vor die Tür stellen werde, weil er zu stark duftet.



So, die Scholle ruft und ich gebe euch eine Frage mit auf den Weg:



Gibt es irgend etwas Wichtigeres als den Ruf der Natur?



Ab in den Garten!


Nachtrag: Wer Samen von mir möchte, schreibt bitte MIR eine Mail, Adresse im Profil - denn sooooo gehts viel einfacher!






Kommentare:

  1. Ein sehr unterhaltsamer Post. Danke.
    Dann folge ich mal Deiner "Anweisung" und gehe in den Garten ein Bett für Endivien und Zuckerhut herrichten.
    Dir eine schöne Woche mit viel Zeit im Garten und wenig in der Küche.
    Liebe Grüße
    Roswitha

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  2. Sehr schöner Post von Dir.
    die Rubekien kann ich auch nur empfehlen, die blühen ständig und ihre Vielfalt ist irre. Ich habe sie in Zitronengelb und IN der gelb Braun Mischung und mag sie sehr gern.

    Liebe Grüße von Danny

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  3. Hm um auf deine Frage zurückzukommen: Wenn ichs mir überlege dann Nein, eigentlich nicht, ausser ein Notfall anderer Art steht an :-)
    Wunderbar deine Küchengespräche und ich bin mir ziemlich sicher, du stapelst ziemlich tief von wegen Küche und Hausfrau und so!
    Und ... Tja ich lass mich auch. Ur zu gerne und zu oft ablenken :-)
    Hab einen schönen Abend. Liebe Grüsse
    Ida

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  4. Du hast leicht sagen "ab in den Garten", hier regnet das Bindfäden! Aber das soll nur heute so hässlich sein.

    Den Knoblauch, den stupft der Signore immer im Herbst, wir haben derart dicke Knollen, super im Geschmack. Teure Knollen vom Markt - manchmal, letztes Jahr - eigener Knoblauch. Der Signore hat kürzlich geerntet und er flicht den Knoblauch immer in einen dicken, wunderschönen Zopf. Schließlich kommt er von einem sizilianischen Bauernhof.

    Übrigens - Hausfrau - auch notwendiges Übel hier. Aber, was muss, das muss.

    LG, Brigitte

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  5. Schöner Post, ich mag Selbstgespräche, sind nie langweilig und es gibt auch selten Missverständlisse...
    Dein Phlox ist wunderbar und die Kannenvase auch!
    Zu deiner Frage: Wohl kaum oder eher selten. Das Problem dabei, dieser Ruf wird nicht selten hinten angereiht und verendet schon mal an der Gartentüre, weil ach so Wichtiges den Zuschlag bekommt, wenn dann der WInter da ist, beginnt die Jammerei. Selbst schuld, ich weiß. Aber nicht unverbesserlich...
    Habs fein
    Elisabeth

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  6. Hallo Sigrun,
    Du hast aber auch einen schönen Garten. Man merkt, daß er Dein großes Hobby ist.
    Der Mohn sieht hübsch aus, so in der Kanne. Könnte man wohl als Deko so stehen lassen.
    Die Rudbeckie sieht faszinierend aus.
    Wußte gar nicht, daß sie so lange in der Vase haltbar sein kann.

    Du, die selbstgekochte Marmelade wird hier im Haus selbst verputzt;)

    Viele liebe Grüße, Gaby

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  7. Liebe Sigrun,
    genau diese Frage habe ich mir schon soooo oft gestellt: Warum tragen die Gärtnerinnen in und auf Büchern immer Hüte? Also mir geht es da wie Dir - ich bin eigentlich immer kopfüber im Beet, und deshalb sind Sitzplätze auch eigentlich überbewertet... Ein sehr schöner Post von Dir!
    Viele liebe Grüße, Dagmar

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  8. Haha, da sagt Dagmar ja was!
    Ich hab es mal mit einem Kopftuch versucht - allerdings ähnelte meine Frisur da auch schon einem Haufen wirren Stroh! Aber wir kam ich mir denn da vor -
    Ich werde wohl nie mit Hut und Körbchen und Rosenscheere elegant durch den Garten streifen ;-)

    Sigrun, ich würde so gern von Deinem hübschen Mohn haben wollen, aber leider steht er bei unseren Schnecken an 1. Stelle auf dem Speiseplan. Ich hasse diese Nacktschnecken!!!
    Sei lieb gegrüßt
    aus dem hohen, kühlen Norden
    von Meggie

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  9. hm, ich könnte also mohn von dir bekommen?? das würde mir schon gefallen, bei mir gabs heuer eine mohnblume im garten und die hab ich geliebt und war ganz traurig, also sie wieder verblüht war!! wie funktioniert denn das?? (du kannst mir auch ein mail schreiben: ulrike[at]energance.at - danke schon mal und einen schönen tag!!

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  10. Hallo Sigrun,

    ich mag auch Selbstgespräche, da hört einem wenigstens jemand zu!! :) :) Ich würde mich auch in die Schlange stellen um ein paar Mohnsamen zu bekommen. Könnte dir im Gegentausch z. B.Jungfer im Grünen anbieten!
    Viel Spass im Garten, bei uns ist leider noch alles nass vom Regen!
    LG Dagmar

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  11. Hallo Sigrun
    Ein herrlicher Post! Das mit dem Knoblizehe in die Erde drücken wollte ich schon lange mal versuchen. Wir lieben nämlich Knoblauch... von der Zehe bis zur Blüte (letzteres lieber in der Vase).
    Mit Sämchen habe ich aber nicht so viel Glück... bin wohl zu dämlich dafür und habe wohl zu viele hungrige Schneckenmäuler im Garten. Mit Mohn hat's bisher nur ein einziges Mal geklappt (ausser der ungeliebte knallgelbe Waldmohn erscheint ungefragt jedes Jahr üppiger). Ich habe jetzt aber nochmals Sämchen von einer Kollegin erhalten und wage mich erneut ans aussäen... allerdings ohne grosse Hoffnung.
    Grins, ich arbeite mit Baseballmütze im Garten, da ich die Sonne nicht vertrage und eben jeder andere Hut gnadenlos irgendwo im Beet landen würde.
    Hab einen schönen Sommertag.
    En liebe Gruess
    Alex

    P.S.: Selbstgespräche sind die besten, denn erstens langweilt Dich dabei der Gesprächsführer nicht und man widerspricht Dir nicht *lach*.

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  12. Ich denke, Hausarbeit macht kaum jemand gerne. Sehe ich auch immer als notwendiges Übel an *g

    Mich wundert es aber immer wieder, wie schnell diese Arbeit wieder anfällt. ;)

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  13. Eine gute Idee, die alte Küche mit einfachen Mitteln wirkungsvoll aufzupeppen! Ich bin ja in der glücklichen Lage, dass ich meine über 20 Jahre alte Billigküche letztes Jahr gegen eine richtig schicke neue Küche tauschen konnte!
    Liebe Grüße von Margit

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  14. Hallo nochmal,
    uuups, jetzt habe ich wohl zwei Blogs miteinander verwechselt! Man sollte einfach nicht zu dieser späten Stunde etwas Geistreiches in Sachen "Küche" von sich geben wollen!
    Gruß Margit

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  15. Hallo,

    gerne bin ich Deinen Küchengedanken gefolgt. Wie schön Du alles geschrieben hast. Recht hast Du, man muß raus in den Garten, manchmal gehts nicht wegen Regen, aber aber täglich begrüße ich auch meine Lieblinge.
    Wünsche Dir noch viel Freude.

    Liebe Grüße
    Brigitte

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  16. Hallöchen Sigrun,
    jetzt bin ich hier so in Deinen Blog gestolpert und habe herzlich über den Post gelacht. Ja Hausarbeit ist läßtig, ich verbringe meine Zeit auch lieber im Garten :-)

    Ich kann also Mohnsamen von Dir bekommen? Mail mich doch einfach an, würd mich freuen.

    Herzliche Mittwochsgrüße läßt Antje bei Dir ( die jetzt öffter hier zu Besuch sein wird )

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  17. Ahja, jetzt weiss ich was du meinst ;)
    Hebst du mir bitte auch von deinen Mohnsamen welche auf? Ich maile oder rufe an, am liebsten sehe ich dich bald wieder.

    Alles Liebe, Anke

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  18. I do not like spending time indoors and especially in the kitchen. I like to cook, clean and spend the rest of the day outside. I enjoy seeing pictures of your flowers. I wish I could grow garlic, mine always rots. Maybe next year.
    Betsy

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  19. Oh du schreibst mir aus dem Herzen. Wenn ich dem Ruf des Gartens folge, bleibt drinnen immer sehr viel liegen.
    Zu Ende des Sommers lässt mein Gartenelan dann immer sehr nach. Das Unkraut hats dann einfach. Aber für mich gehört das eben auch dazu. Die eigene Balance finden, im Frühjahr voller Energie, im Spätsommer genügelts dann. Wenn man DAS akzeptiert, dann gehts einfach ringer durchs Leben!
    Lg Carmen

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