Samstag, 1. November 2014

Ich backe Brot mit Sauerteig - bin ich eine Heldin?




Meine Freundin Maja backt ihr Brot selbst, das mit Sauerteig. Und es schmeckt besser als beim Bäcker. Und weil ich sie sicher einmal zu viel gelobt habe, erbot sie sich an, es mir beizubringen. Au weia. Ich erinnere mich noch dumpf, mit knapp 20 Jahren das gleiche Ansinnen schon einmal gehabt zu haben, das Kochbuch zeugt mit seinen braunen Flecken noch immer davon.
Morgens, als ich grad dem Nachtgewand entschlüpft war, klingelte es und Maja stand mit vollem Equipment vor der Tür. Sie hatte es eilig, trotzdem kam sie mit rein und packte eine Tasche mit ca. einem halben Kubikmeter Zeug aus. Eine Schüssel, in der der Sauerteigansatz bereits einmal mit Mehl verrührt wohnte, dazu der passende Deckel. Eine Form, ausgelegt mit Backpapier, 300 g selbst gemahlenes Roggenmehl in gröberer Form, eine Tüte mit 1 kg Roggenmehl fein. Dazu zwei Döschen mit Gewürz und der Frage, ob ich einen Mörser mein eigen nenne. Ich nickte ergeben.

Sie erläuterte mir ihre aufgeschriebene Anleitung (die ich bis zu meinem Ende hüten werde) und ging von dannen. Halleluja! Jetzt stand ich da. Den Insassen der Schüssel stellte ich mit selbiger vor die Terrassentür, denn es handelt sich hier um einen Teig mit kalter Führung. 24 Stunden später rührte ich das erste Tütchen Mehl mit Wasser ein. Zuvor hatte ich vom Ansatz ein halbes Glas mit Deckel abgenommen, das wäre sehr wichtig, nämlich für das nächste Brot. Das ließ  schließen, dass mir das erste gelingen würde. Dann hoffen wir mal! In schlaflosen Stunden in der Nacht lugte ich mal unter den Deckel und guckte, ob *er* noch da war. Er war.

Nach weiteren 24 Stunden rückte ich die Küchenmaschine zurecht und gab alles rein, was sie mir aufgetragen hatte. Nun sollte das Ding rödeln, bis der Teig Ohrläppchenkonsistenz hat. Welche Ohrläppchen? Die von 80jährigen oder die eines Kindes? Das ist ein Unterschied! Ich war verunsichert und bin es noch. Und erinnerte mich an ihre Bemerkung, dass ich ihr ja danach sagen könne ob das was für mich ist oder ob es mir zu *knatschig* wäre. Zwischenzeitlich wurde ich von Mr. W. angemeckert, weil ich für den Sauerteigansatz in Reserve sein!! Glas genommen habe, in dem sonst der Pfefferminztee ruht. Wie kann man nur so kleinlich sein? Schließlich backe ich das Brot für ihn. Knatschig? Das ist kein Ausdruck für das Empfinden, dass ich während der Zubereitung hatte. Da ich offensichtlich zu viel Wasser genommen hatte, musste ich immer mal Mehl nachschieben. Das Umfeld meiner Küchenmaschine mit 300 PS wurde langsam grau. Die Katze flüchtete unter den Schrank. Mein T-Shirt, vormals braun, hatte nun eine undefinierbare Farbe. Doch die Maschine rührte weiter. Als sie fertig war, sah es immer noch nicht nach Ohrläppchen aus. Egal, jetzt kam das Zeug in die Form. Dieses Brot kann man, sollte es jemals essbar sein, nicht bezahlen, das ist klar.

Eindeutig zu viel für eine Form, drückte ich noch ein wenig (bearbeiten kann man das Zeug nicht) auf ein Backpapier und ein Blech. Mal sehen. Angesprüht mit Wasser deckte ich es mit einem Geschirrtuch zu. Wie lange das Ding jetzt ruhen muss, ist mir ebenso unklar wie die Sache mit den Ohrläppchen. Bis es Blasen wirft. Wird es jemals Blasen werfen? Vielleicht sitzt der Klumpen bis Weihnachten immer noch so da? Nun ging es ans Spülen. Wer jemals mit Sauerteig gearbeitet hat, weiß, dass dies ein nahezu sinnloses Unterfangen ist. Am Besten wirft man alles weg und kauft es neu. Aber es war ja geliehen. Also  schrubbte ich mit einem rauen Schwamm alles ab, bis man es richtig spülen konnte. Der Verbrauch an warmem Wasser belief sich auf ca. einen Kubikmeter. Der Boden klebte. Vermutlich breche ich mir noch ein Bein. Egal, Hauptsache das Brot wird was.

PS: Das Brot ist köstlich, ich mach das wieder – aber nicht alle drei Tage! Soll ich euch vom Geruch erzählen, der durchs Haus zog? Köstlich – in Scheiben geschnitten mit Butter bestrichen, das beste Brot, dass ich je gegessen habe.

Kommentare:

  1. Auch wenn es eine riesige Sauerei war, amüsant zu lesen ist es dennoch und ich musste sie ja auch nicht wegputzen! :-) Aber Hauptsache ist dass es schmeckt!

    LG Lis

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  2. Himmel, ich bleib bei Hefe. :)
    Aber als Kolumne taugt der Post.

    Schönes Wochenende
    Margrit

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  3. Das ist ja so lustig....ich hab schon mal bei einer Freundin geholfen. Bei ihr artete das ganze dann noch so aus, dass sie das Mehl per Hand gemahlen hat, crazy!!!! Aber frisches Brot, selbst gebacken mit Butter...da gibts echt nichts besseres. Hefeteig hab ich schon mal probiert.
    Sauerteig kann ich im Moment nicht machen, da mir die Maschine mit 300 PS fehlt, alle anderen würden den Geist aufgeben.
    Liebe Grüße Sigrun

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  4. Auch wenn das Brot super schmeckt... ich würde mir das nie im Leben antun!!!! Da hätte ich keine Geduld!!!
    Viele Grüße von
    Margit

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  5. Ich backe auch Sauerteigbrot. Es gibt nichts besseres. Und es gibt 1000 Varianten, die zu testen sind, darunter auch einfache. Ich schicke dir das Rezept.
    LG Sigrid

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  6. Ich habe gerade Tränen gelacht...Aller drei Tage würde ich dieses Brot vermutlich auch nicht backen...aber den Geruch vom fertigen Brot, den rieche ich bis hierher...;-))) LG Lotta.

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  7. Ein herrlicher Post ....Dankeschön. Ja, das Brotbacken ist so eine Sache. Anfangs gilt es einige Hürden zu überwinden. Ich hatte ein Weilchen gebraucht um zum Beispiel die richtige Backform zu finden. Oder das Brot gelang am Anfang zu flach. Aber Übung macht bekanntlich den Meister. Ich backe nun schon lange alles Brot selber, bestelle frisches BioKorn vom Bauern und hab eine Mühle. Einmal in der Woche ist Backtag, da gehen gleich sechs Brote in den Ofen. Das möcht ich nimmer missen, weder das Backen noch den Genuss für die Sinne. So nach und nach hab ich auch ein paar Spezialtäten backen gelernt. Eine große Hilfe ist mir das Buch vom Plötzblog, der Lutz hats drauf! Vielleicht hilft Dir ja mein Post von neulich http://rosalies-traeume.blogspot.de/2014/09/back-doch-mal-wieder.html Ich wünsch Dir jedenfalls eine gehörige Portion Kreativität und Ausdauer fürs Backen.
    Lieben Abendgruß
    Rosa

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  8. This was fun reading. At first I thought this is once and never again, but then in the last sentence PS. I'll do it again - but not every 3 days. Good for you!

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  9. Hi,hi , ich hab mich nach einem anstrengenden Tag dank dir , richtig köstlich amüsiert.
    So ein Sauerteig-Brot her zustellen kling ja nach einem ganz verrückten Abenteuer .
    Hmmmm , ich hab gerade die Konsistenz meiner Ohrläppchen kontrolliert , kicher.
    Hab einen wundervollen Sonntag
    liebe Grüsse
    caro

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  10. Saugut geschrieben, ich lachte mich halb kaputt beim lesen. Solange du deine Auweiaerfahrungen auf diese Art resümierst, mach ich mir um dich gar keine Sorgen ;-)

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  11. Was für eine schöne Geschichte :) Einmal habe ich auch versucht, ein Brot zu backen, ich kaufe weiterhin beim Bäcker :)
    Liebe Grüße, Rafaela

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  12. Ich lach mich weg, Du bist definitiv eine Heldin! Psss, es gibt übrigens Brotrezepte, die sind gaaaaanz einfach zu backen und hinterlassen auch einen wunderbaren Duft im Haus, aber ich schätze mal, das wolltest Du jetzt nicht hören :o).
    Hab einen sonnigen Sonntag.
    Grutzli
    Alex

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    1. Widdzisch - Alex, die Rezepte kenne ich auch! ;) Ich wollte ein reines Roggen, mit Dinkel geht das natürlich viel besser, so hab ich es ja die ganze Zeit gemacht.

      Sigrun

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  13. Auf jeden Fall eine Heldin! Wer so einen furchtlosen Einsatz zeigt!!
    Ich glaube dir direkt, daß der Geruch der Knaller war.
    Liebe Grüße
    Dagmar

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  14. Jawohl, den Heldenstatus hast du damit errungen, liebe Sigrun. Aber mal Hand aufs Herz, sah es bei den ersten Kochversuchen nicht genauso aus? Mit steigender Übung wird man rationeller und dann ist das auch kein Kraftakt mehr. Und so ein Brot ist ja wohl auch nicht in drei Tagen aufgegessen. Obwohl - wenn so duftend frisch vor einem liegt? Da hilft nur, gleich zwei Brote backen.
    Wünsche guten Appetit. Schöne Grüße, Johanna

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  15. Sieht zwar eher aus wie Hirnragout ;-)))
    Und ohje, die Sauerei - vielleicht kommt Sauerei ja von Sauerteig?
    Aber ich glaube dir, dass es himmlisch schmeckte.
    Viel Spaß beim nächsten Brot!
    Nicht dass das dann nach Pfefferminztee schmeckt ;-)
    Ganz viele liebe Herbstgrüße
    sendet dir die Urte

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  16. Guten Morgen liebe Sigrun
    Dann nehme ich mir doch gleich mal ein Stück zum Zmorge, von diesem sagenumwobenen Sauerteigbrot! Nein wirklich, du hast mich jetzt echt zum lachen gebracht, mein erstes richtiges Lachen an diesem Tag, er kann also nur noch gut werden :-) Herrlichschön deine Beschreibung des Machens, aber diese Umtriebe, ich glaub, ich lass die Finger davon. Du weisst ja jetzt bereits, welche Teile du für ein solches Brot benötigst und wirst wohlweislich die Hand von den Behältnissen, die für Mister W. reserviert sind, lassen. Viel Glück bei den nächsten Brotbacktagen.
    Liebe Grüsse
    Ida

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