Mittwoch, 21. Januar 2015

Sylt - Insel meiner Kindheit

Mit sechs Jahren war ich das erste Mal auf der Insel, Sylt -  Insel meiner Kindheit. Alle zwei Jahre fuhr ich dorthin zur Kinderkur. Als in Westerland die Kinderkurklinik abgerissen wurde, um einem Luxushotel zu weichen, war ich zufällig zugegen und weinte bittere Tränen. Ein Teil meiner Kindheit war verschwunden - unwiederbringlich. (Bild: Wenningstedt)
 Später fuhr ich privat mit der Familie dorthin. Heute? Es hat sich alles sehr verändert, zum Nachteil der ursprünglichen Sylter. Als ich dort war hatten wir eine Führung, und erfuhren, dass fast jedes Haus, das verkauft wird, an Fremde geht - die Insulaner haben nicht das Geld um dort ein Haus zu kaufen. Handwerker fahren täglich zur Übernachtung von der Insel, ein Zimmer dort können sie sich nicht leisten, es gibt auch nicht genug.
 (Bild: Wenningstedt) Uns wurden alte Kapitänshäuser gezeigt, die - wenn der letzte Besitzer verstirbt, verkauft werden, weil die Erben nicht das Geld haben, sich gegenseitig auszuzahlen. Traurig. Wer kauft auf Sylt? Hamburger, Österreicher. Im Namen des Geldes.

 Das neue Schwimmbad in Westerland, ich sah es zum ersten Mal, weil ich lange nicht dort war. Schön ist es geworden. Man gibt sich sehr viel Mühe. Jedoch sind die geruhsamen Zeiten vorbei. Wo damals noch Tante Emma in Westerland einen Süßwarenladen auf der Hauptstraße hatte, wo man sich als Kind in Papiertäten etwas abfüllen lassen konnte, wo Kinderaugen strahlten, gibt es heute die unvermeidlichen Ketten. Wie überall.
 Die dicke Wilhelmine - 1980 wurde sie enthüllt, damals war ich kurz danach auch dort. Ich mag sie.
 In der Muschel im Hintergrund finden Konzerte statt.
Auch das Sortiment meines Lieblingsladens hat sich stark verändert. Das ist normal, doch es gibt kaum noch schönen Friesenschmuck aus Silber. Tassen habe ich genug, damals dort gekauft.
 List - früher war es eine dunkle Ecke, es hat sich sehr gemausert. Fisch, wohin das Auge blickt. Mehr habe ich dazu nicht zu sagen.

 Geruhsam! Ich bins nicht, ich bin ja hinter der Linse.
Viel Engagement findet sich in der Erhaltung der Dünen, doch gibt es immer wieder Menschen, die nicht akzeptieren können, dass man dort nicht schläft oder trampelt.

 Ich glaube, davon träumt jeder, oder? Die Häuser sind einfach wunderbar, so alt.
Überall in Keitum fanden wir Gärten mit Schneeglöckchen und Krokussen, leider sind die Bilder nicht schön, die Sonne war zu grell - und weiß mag die Kamera sowieso nicht. Da braucht man nicht nach England auf Schneeglöckchenreise zu gehen - es war herrlich.
Beim Einstellen der Bilder fiel mir auf, dass ungewollt das entstanden ist, was ich empfinde. Ausverkauf. Gute Nacht, und unten der Tod in Keitum auf dem Friedhof. Trotz alledem: Sylt ist eine wunderschöne Insel, ich werde wieder fahren - auch wenn es bald keine Einheimischen mehr gibt.

Kommentare:

  1. Wie traurig, dass die Einheimischen sind keine Häuser mehr zu kaufen und es von Ihrem Kindheitserinnerungen hat sich geändert. Sarah x

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  2. Wunderschöne Bilder Sigrun, es sieht genauso aus wie hier in Irland ;-)
    Danke für die tollen Eindrücke!!
    Gruss, Bea

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  3. Hab neulich einen Bericht im Fernsehen über Sylt gesehen, das ist schon traurig was da abgeht! Lauter Neubauten und Wohnungen die grade mal im Sommer ein paar Wochen bewohnt sind, den Rest des Jahres stehen sie leer. Ich verstehe auch nicht was Sylt eigentlich so teuer macht? Andere Inseln sind doch (fast) genau so schön und da können es sich die Einheimischen auch noch leisten dort zu leben.
    Armes Sylt! Nicht nur dass es bei jedem Sturm kleiner wird, es gleicht im Winter auch immer mehr einer Geisterinsel

    LG Lis

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  4. Hallo Sigrun,
    Sylt ist schon eine wunderschöne Insel, mit viel leckerem, frischen Fisch. Aber auch ich habe vor einiger Zeit einen Bericht in der Zeitung gelesen über den hochpreisigen Ausverkauf ( bei den Preisen muss man erstmal schlucken) von Sylt. Traurig ist das für die Alt-Sylter. Im Winter dürfte Sylt ja dann wohl fast eine Geisterinsel sein. Ich war das letzte Mal vor fast 20 Jahren dort, aber seit wir ein Häuschen für vier Personen benötigen, ist es uns nicht mehr gelungen, eine passende Unterkunft zu bekommen. Häuser gibt es nur für bis max. 3 Personen. Aber vielleicht hat sich das ja mittlerweile wieder geändert ?
    Dein Problem mit der Sidebar kann ich nicht nachvollziehen. Dein Test-Post erscheint, allerdings ist der Sylt-Post nicht in der Sidebar. War er aber gestern Abend. Wohl aber nicht dieser, der trägt ja den 21.01. als Datum. Jetzt bin ich auch ein bisschen verwirrt?
    Liebe Grüße
    Elke

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  5. Hallo Sigrun,
    ich nehme an, du hast diesen Post jetzt ein zweites mal veröffentlicht, weil er beim ersten mal nicht in den Sidebars aufgetaucht war...Deine Fotos von der Insel sind wunderschön geworden, sehr stimmungsvoll! Ich war noch nie auf Sylt, kenne nur Föhr, Amrum und Juist, aber die Nordsee ist nicht so mein Fall... Von den horrenden Immobilienpreisen habe ich auch schon gehört, was für ein Wahnsinn! Das muß schon weh tun, eine derartige Entwicklung mitzuverfolgen, wenn man die Insel von früher kennt.
    Viele Grüße
    Kathinka

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  6. Ach Sigrun, das ist an Perversität nicht zu überbieten, daß die Einheimischen sich ihr eigenes Zuhause nicht mehr leisten können!
    Mit sehr viel Wehmut, aber auch Liebe hast Du diesen Post geschrieben.
    Besser wird das nicht mehr... leider!
    Liebe Grüße von der Elke

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  7. Hallo Sigrun,
    tolle Fotos, machen richtig Lust jetzt ans Meer zu fahren.
    Wirklich schade für die Sylter, daß ihre schöne Insel im Augenblick so in ist. Dabei sind ja auch die anderen Inseln wirklich sehenswert. Ich war schon einmal auf der dän. Nachbarinsel, sehr schön!
    LG Dagmar

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  8. Liebe Sigrun,

    ohje, das finde ich auch ganz arg schlimm, wo das noch hinführen soll ist mir auch nicht so ganz klar. Deine Fotos von dort sind so schön anzuschauen, da bekommt man richtig Fernweh, nach Sand, Dünen und so einen Strandkorb. Ich war ja noch nie auf Sylt und so habe ich diese Stippvisite sehr genossen.

    Herzliche Grüße
    Kerstin

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  9. Hallo Sigrun,
    also warst du unterwegs, ich habe dich schon vermisst. Zu technischen Problemen kann ich nix sagen.
    Den Bericht über Sylt habe ich auch gesehen, das ist wirklich nicht schön. Ganz so weit ist es zum Glück bei uns am See noch nicht, aber möglich wäre es auch. Wir Einheimischen müssen bei einem Promenaden-Restaurant-Besuch auch schlucken. O.K. die Saison muss übern Winter reichen und wer kann sich noch eine Haus oder eine Wohnung kaufen?
    Oh ja, die alten Häuser sind wunderschön!
    Liebe Grüße, Rafaela

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    1. Nein, Fee, ich war nicht weg. Ich war dort, wo du lieber nicht sein möchtest.

      Sigrun

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  10. Oh...ich kann deinen Kummer sehr gut verstehen! Ich habe über Sylt auch mal einen Beitrag im Fernsehen gesehen und war ehrlich bestürzt! Doch da hat wohl so manche Insel ein Problem...auf Rügen finden die Einheimischen keine Arbeit mehr und müssen sich auch eine Wohnung auf dem Festland suchen. Es ist ein Jammer...LG Lotta.

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  11. Liebe Sigrun, das ist ein wunderbarer, wenn auch etwas trauriger Beitrag ueber Sylt. Ich wollte immer mal hin, als ich noch in Deutschland gelebt habe, bin aber nie dazu gekommen. Schade! Deine Photos vom Meer, Strand und den Duenen sind wunderschoen. Ich liebe auch das weisse Haus von 1756, wie Du sagst: Ein Traum! Wer da wohl wohnt? Die Skulptur vom Tod ist sehr beeindruckend, wundervoll das jemand Rosen darauf abgelegt hat.
    Ich weiss nicht ob dieser Beitrag nicht auf den sidebars zu sehen war, bei mir ist er erschienen, allerdings ohne Photo.
    Liebe Gruesse,
    Christina

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  12. Liebe Sigrun,
    nein auch Österreicher wie ich können sich das nicht leisten. Wir waren auch oft auf Sylt, da das die Urlaubsinsel meiner Schwiegereltern war. Auch damals in den 80-iger Jahren konnten sich die Einheimischen Häuser und auch Wohnungen nicht leisten.
    Danke für die schönen Bilder. Es hat sich wirklich viel geändert.
    Liebe Grüße
    Braunelle

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  13. Liebe Sigrun,

    danke für Deine schönen Bilder von Sylt - es ist ja wirklich traumhaft dort. Sollte man vermutlich gar nicht schreiben - dann kommen noch mehr Gäste hin und für die Einheimischen
    wird es immer schlechter!
    Liebe Grüße,
    Ingrid

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  14. Ich habe zu dem Thema mal einen Beitrag im Fernsehen gesehen. Es ist schon übel, wie die Einheimischen fortgetrieben werden, weil sie sich es nicht leisten können, dort zu leben. Traurig. Aber Sylt ist leider kein Einzelfall.

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  15. Ich kenne Sylt ja auch noch von früher, aus den 80ern. Ich war oft da und damals gab es auch noch eine Menge Insulaner dort. Jetzt ist es auch schon wieder fast 20 Jahre her, dass ich zuletzt da war und damals war es schon nicht mehr "meine" Insel. Ich kenne die Insel in allen Jahreszeiten und im Winter hat sie mir fast am Besten gefallen, weil es nicht so voll war. Außer beim Biikebrennen.
    Schöne Fotos.

    Viele Grüße
    Margrit

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  16. Die Sylter werden entwurzelt und die "Neuen" schlagen in den paar Monaten wo sie die Insel bewohnen auch keine Wurzeln. Werte und Traditionen, alles verschwindet, es wird einem ganz bange.
    Nicht nur auf Sylt, es ist inzwischen vielerorts so.
    Lg Carmen

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  17. Ein richtiger Fernweh-Post, da würde ich am liebsten gleich meine Koffer packen... Leider verändern sich Touristengebiete immer mehr...
    Liebe Grüße,
    Markus

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  18. Den Strand hab ich mir genauso vorgestellt, sicher geprägt von vielen Fotos, aber die breiten Promenaden nicht so. Da schon eher reetgedeckte Häuser, manchmal ganz selten sieht man noch welche, ob in Ungarn, Dänemark oder im Norden Deutschlands, auch im Grenzgebiet Österreichs. Vielleicht sind ja alle nur mehr "Museumshäuser", irgendwie schade, sie haben so viel Charme und sind ökologisch sicher nachhaltig. Danke für den fotografischen Streifzug!
    Liebe Grüße
    Elisabeth

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  19. ...ich liebe deine Syltfotos, ich fahre ja erst seit ca. 12 Jahren fast jedes Jahr für ein paar wenige Tage hin, aber ich liebe die Insel und ich liebe Westerland, für mich ist es zu einer zweiten Heimat geworden, hätte ich viel Geld würde ich genau dort leben wollen in den schönen Keitumer Häusern, mir würde aber auch schon ein Appartement reichen.
    Sehr schöne Fotos, ich hab nun schreckliches Heimweh nach meiner Insel
    alles Liebe von Tatjana

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  20. Auf der Suche nach der Beschreibung Deiner Häkelmütze, liebe Sigrun, bin ich nun schon so weit gekommen. Da war ich noch gar nicht online. Es mußte wohl so sein. Schöne Bilder von Sylt, ich liebe die Nordsee, habe einen Teil meiner Jugend in Schleswig-Holstein verbracht. Ich teile Deine Gedanken. Es ist schon traurig, was Geld macht, wenn die Einheimischen denen weichen müssen, die mehr Geld haben. Warum gibt es dafür keinen Denkmalschutz? LG Edith

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  21. Ich lebe seit 5 Jahren auf Sylt mit meiner Frau und wir genießen die Insel in vollen Zügen. Diese Zeit kann uns keiner nehmen. Wir lieben de Insel auch wenn es nicht immer einfach ist .

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    1. Danke Martin, dort leben wollte ich auch immer. Es ist einfach nur schön!

      Sigrun

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  22. Ich bin Däne und war schon als Kind in den 60-70'er Jahren oft mit meinem Eltern in Westerland. Bin jetzt zurück mit meinem Mann und bin erstaunt. Die alten Gebäuden neben der Strandpromenade sind weg, sowie der grosse offener Platz mit dem eleganten Wellenbadgebäude im Hintergrund. Der alten Gebäude sind mit langweiligen Betongebäuden ersetzt worden. Z.Bs. das Meerwasser Wellenbad hätte sich doch mit seiner Retro-architektur viel schöner und eleganter präsentiert als das jetzige verworrene Bunker-ähnliche Gebäude mit hässliche rot/gelbe Rohre im freien. Ich war echt enttäuscht. Doch hat niemand das schöne Meer gestört. Die Wellen vom Nordsee sind genau so imposant jetzt wie damals und werden auch immer so bleiben :-)

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