Donnerstag, 9. Juli 2015

Servicewüste Deutschland




Servicewüste Deutschland



Wieder einmal stößt mir ein Thema sauer auf: Der Service im deutschen Handel. Wenn ich daran denke, wie ich in Großbritannien im Supermarkt bedient werde, wie sehr mir geholfen wird, wenn ich auch nur eine kleine Frage im Markt habe, das unterscheidet sich doch sehr weit vom Service in Deutschland. Natürlich ist es nicht überall so, aber in  den letzten Jahren fiel mir das immer mehr auf.

Wenn ich im Dienst so gearbeitet hätte, wäre ich geflogen bzw. versetzt worden.



Für den Überflieger habe ich einen Kratzbaum bestellt, nicht im  Tierfachhandel, sondern bei einem Hersteller, der mir von Katzenbesitzern empfohlen wurde. Mir wurde eine Versandtbestätigung zugeschickt, per Mail, aber darin stand nicht, wann ich mit dem Teil zu rechnen habe. Ergo war ich gestern Abend nicht zu Hause, als es geliefert wurde. Es ging in einen Shop, wie das heute so ist. Eine Möglichkeit, es noch einmal zustellen zu lassen, gab man mir auf dem Zettel nicht. Das konnte ich nicht akzeptieren. Die freundliche Lady im Shop gab mir eine Telefonnummer, die nur für den Shop bestimmt ist. Dort erreichte ich auch sofort jemanden (bei der anderen Nummer empfahl man mir nur, es nochmals zu probieren und was das bedeutet, wissen wir). Die Dame erklärte sich bereit, den Kratzbaum noch einmal zustellen zu lassen. Aha! Warum erst auf meinen Anruf, wieso gibt es auf dem Zustellzettel nicht die Möglichkeit, einen Kreuzchen für eine erneute Zustellung zu machen, wie das bei der Post z. B. möglich ist?

Da mir dies keine Ruhe ließ, rief ich direkt beim Hersteller an und erzählte der Dame am Hörer davon. Ja, gab sie gedehnt von sich, das wäre so. Warum? Na ja (ich sah sie förmlich die Nägel lackieren) , die Unternehmen wären nicht bereit, so schwere Kisten zu transportieren. Nochmal aha! Aber man zahle doch dafür? Ja, das würde die nicht interessieren (und die Dame am anderen Ende meiner Leitung auch nicht).

Ich jedenfalls hebe die Kisten nicht. Wenn sie morgen nicht liefern, geht es zurück. Und wenn es Ärger gibt, ich hab eine Rechtschutzversicherung.

In Deutschland gibt es Speditionen, die sicher einen Kratzbaum transportieren möchten. Und wenn es drei Euro mehr kostet, ich zahle sie gerne. Auch zehn.



Es regt mich einfach auf, mit welchem Desinteresse man am Telefon abgefertigt wird. Offensichtlich war der Frau nicht klar, dass ich ihr Gehalt zahle. Und so geht es mir mit einer Reihe von Geschäften. Manchen ist es schon zu viel, den Kopf zu heben und Interesse zu zeigen. Dabei kann sich der Einzelhandel nur gegen die großen Versender durchsetzen, indem er Service bietet:

Beim Buchladen im Ort steht ein Schild: Wir kaufen Bücher noch im Ort und nicht am Amazonas. Alles klar?



Zugegeben: Ich kauf auch oft am Amazonas, aber da bin ich am Telefon bisher vorzüglich behandelt worden.



Wie seht ihr das?

Kommentare:

  1. Ach herje! Über solche Dinge kann ich mich auch immer seehr wundern und ärgern.
    Wir haben selbst eine kleine Firma und wenn wir hier so arbeiten würden, wären wir wahrscheinlich schon längst pleite. Ich kann das nicht verstehen :(
    Übrigens....ich kaufe auch am Amazonas, weil ich da bekomme was ich will und noch immer sehr zuvorkommend behandelt worden bin. Außerdem muss ich da nicht extra wegen eines Buches 15km in den nächsten Ort fahren, wo es meistens sowieso nicht zu bekommen ist. Dann muss es erst bestellt werden und ich fahre noch einmal 15km um es abzuholen. Übrigens ist die Verkäuferin in diesem Laden auch eine von der obigen Sorte ;) Nein danke.
    GlG und lass dir den schönen Tag nicht vermiesen.
    Sabine

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  2. Also ich kauf manche Sachen lieber im Laden als beim Onlinehändler! Kostet halt manchmal eine Kleinigkeit mehr, aber wenn alles nur noch übers I-net bestellt werden würde, gäbe es bald gar keine Geschäfte mehr

    LG Lis

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  3. Anscheinend wollen die Kunden hierzulande nicht anders behandelt werden. Wir haben hier einen Supermarkt, bei dem man nicht das Gefühl hat, man störe den Verkäufer(innen)-Ratsch wenn man mal eine Frage hat. Ich habe schon erlebt, dass drei Leute für mich durch den Laden gerannt sind um zu helfen. Außerdem wird man sehr oft an der Kasse gefragt wird ob man alles gefunden hat oder noch Hilfe benötigt. Du kannst Dir nicht vorstellen wieviele Kunden sich drüber aufregen wie sehr sie diese Fragerei doch nerven würde ...
    Viele Grüße, Angela

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  4. Hui, kein Wunder schaut das kleine Teufelchen so bedröppelt, wenn die Frau Dosenöffnerin selbst die Vorhänge hochgeht *kicher*. Aber wo Du Recht hast, haste Recht. Der Service nimmt ab, dafür wird mehr verlangt. Ehm, das ist nicht nur bei Euch in Deutschland so, ne auch hier in der Schweiz. Poststellen gehen zu, dafür darf der Kunde nun selbst im Lebensmittelladen seine Ware wägen, die Taxen herausfinden und die Marke dann aufkleben. Ist ja nicht so, dass es eine Hexerei wäre, aber wenn man schon mehr selbst machen soll, dann sollte sich das auch im Preis niederschlagen. Aber niedergeschlagen... vor allem mit Floskeln... werden vor allem wir, die Kunden. So, jetzt ist das auch mal wieder gesagt! Grins.
    Hab einen gemütlichen nervenschonenden Abend.
    En liebe Gruess
    Alex

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  5. I prefer to go to book stores and hold books in my hands to read , purchase there. I like to patronize small shops here. Amazon and some of these other places even though they get things to me quickly, everything is getting to political and I would rather deal with a small shop and pay more and take it home on my time and dime.
    betsy

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  6. Bei mir funktioniert das eigentlich ganz gut! Ich habe mittlerweile bei allen Paketdiensten einen "Garagenvertrag"! Bei uns haben zwei große Postfilialen geschlossen. Statt dessen haben sie jetzt eine Filiale eröffnet, die mitten in der Stadt liegt und mit dem Auto so gut wie nicht zu erreichen ist - u. a. wegen der Fußgängerzone. Jedenfalls bekommt man dort keinen Parkplatz! Sehr praktisch, wenn man ein Paket abholen soll. Ich frage mich manchmal schon, was sich die Verantwortlichen bei so etwas denken!
    Viele Grüße von
    Margit

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  7. Wenn möglich, am Ort kaufen. Damit unterstützt Ihr Arbeitsplätze in Eurer Nähe. Außerdem müssen die Dinge nicht erst hin- und hergeflogen oder -gefahren werden. Zudem ist es leichter, Gekauftes zu reklamieren, falls damit etwas nicht in Ordnung ist. Online finde ich das eher mühsam.

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  8. Vor Ort gibt es keine Kratzbäume zu kaufen - und tragen kann ich sie nicht. Außerdem unterstütze ich mit diesem Kratzbaum die Arbeit von Behinderten.

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  9. Liebe Sigrun, so etwas ist wirklich ärgerlich! Ich könnte bei so etwas auch aus der Haut fahren. Mir ist es so letztens in einem Geschäft vor Ort ergangen, wo sich die Verkäuferinnen fast zu schade waren mich zu bedienen. Da fragt man sich manchmal wirklich was das soll.

    Ja, wenn das Internet nicht funktioniert, fehlt schon irgendwie etwas. Schlimm!

    Lg Kathrin

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  10. Liebe Sigrun,
    nachdem unser alteingesessener Buchhandel wegen Renteneintritt schloss, gleich zwei neue Buchläden eröffneten, ich diese probierte, für mangelhaft empfand, bestelle ich nur noch am Amazonas! Sogar die erforderlichen Schulbücher für meinen Sohn.
    In unserer Stadt sind die meisten Ladenbesitzer einfach nur zum woanders kaufen!
    Ich muss gestehen, mit dem Internethandel bin ich sehr zufrieden. Vor zwei Tagen rief man mich sogar an, daß der Zustelltermin sich leider um einen Tag nach hinten verschiebt! Fand ich toll!
    Ich hoffe, der Klettermax braucht aber mittlerweile nicht mehr in den Gardinen zu schaukeln, sondern hat den Kratzbaum Delux ;o)
    Liebe Grüße schickt die Elke

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