Freitag, 26. Februar 2016

Geschmäcker sind verschieden oder wie ich beim Anlesen eines Buches den Autor nicht leiden konnte



Gespannt war ich, lange jetzt – auf dieses Buch. Und da ich so viel lese, kaufe ich die Bücher oft gebraucht. Da kommt man gratis zu Randbemerkungen, darf ich euch sagen. Ich hab mich köstlich amüsiert, bin aber erst auf Seite 40. Jakob Augstein – was wußte ich von ihm? Nichts, außer dass er einen berühmten Vater hat. Da dachte ich, wenn so einer ein Gartenbuch schreibt, da muss ich es lesen. Ich mache ja auch ständig irgendwo einen Strich in ein Buch, mal mit Bleistift, mal mit Marker, da läßt sich nichts revidieren. Drum verleihe ich bestimmte Bücher auch nicht, man kann dann zu viel über mich aus den Randbemerkungen erfahren.

*So ein Quatsch*, steht da zu lesen. Und durchgestrichen: *Unsinn* Ich teile die Meinung des Vorbesitzers, er ist mir direkt sympatisch, möchte ihn gerne kennenlernen. Interpretiere hinein, dass er sicher wie ich ein Freund britischer Gärten ist (oder ist es etwas eine *sie*?) Denn wer liebt sie dort nicht, die Eibe? Taxus in all seinen Variationen, er ist doch aus dem Garten gar nicht wegzudenken. Natürlich gehört sie, die Eibe, nicht in alle Gärten. Aber ein Formschnitt, ein Topiary, oder eine Hecke zur Einrahmung eines Bereiches – es gibt nichts Besseres. Leider glauben Menschen in Deutschland, dass sie durch Friedhofsraketen wie Thujas durchaus zu ersetzen sind. Wirft man mir jetzt Intolerenz vor? Gerne, ich nehme es an – das ändert aber nichts an meiner Meinung. 

Ich liebe meine Eiben, sie sind heilige Bäume, niemals würde ich eine entfernen. Sie mögen keinen nassen Fuß, kommen aber sonst mit allen Gegebenheiten gut zu recht. Gedüngt wurden sie noch nie. Sie nehmen nichts übel – im Gegensatz zu mir – und wachsen sogar weiter, wenn man sie auf Stock setzt (runter bis auf die Erde). Meine Oma hatte eine mitten im Garten, ich vermute, ein Sämling von Taxus baccata, sie war viele Meter hoch und breit, niemals geschnitten und ich fürchte, sie war einfach dort aufgegangen. Etwas unpassend, so mitten im Garten und vollständig umrundet von Gemüsebeeten, denn im Krieg brauchte man nur Gemüsebeete und wenige Blumen. 

Als mein Bruder den Garten übernahm, fällte er den Baum, ich war traurig, bin ich doch mit ihm großgeworden – also mit beiden quasi, mit Bruder und Baum. Andere Besitzer, anderer Geschmack. Nicht hingegen überfiel er den wild wachsenden Buchs an der linken Seite, weil seine Kinder sich dahinter verstecken konnten. Die Eibe rächte sich – der Buchs ist befallen von Raupen, aber nur bis zu einer gewissen Höhe. Lernen wir daraus, dass der Zünsler nur bis zu einer gewissen Höhe agiert? Wegen mir kann der Buchs weg, ich konnte ihn sowieso nie leiden. Und mit meinem Bruder habe ich gegrollt. Die alten Bilder hat mein Mann in stundenlanger, wochenlanger Kleinarbeit eingescannt, ich bin ihm hierfür sehr dankbar. Sonst wären sie verloren.

Nun ist der Garten fast gänzlich mit ödem Gras eingesät, kaum einer kümmert sich um ihn. Wäre er doch meiner!

Der Ort meiner Kindheit - ich denke so gerne daran zurück und ich weiß, dass sich unsere Kleinen in meinem Garten auch so wohlfühlen, bekomme ich doch oft gesagt: Wenn ich groß bin will ich auch so einen Garten wie du einen hast.

Zurück zum Buch. Menschen finden bei Einnahme eines Suds von 50-100 Gramm den Tod, beschreibt der Autor. Kennt ihr irgend jemanden, der einen Eibensud zu sich nimmt? Es sei denn, er tut dies in selbstmörderischer Absicht? Mir hat man beigebracht, die roten Kugeln sind giftig, und heute weiß ich, dass es nur die Samen sind, das rote nicht. Meine Kinder haben mit den Kugeln *Kochen* gespielt, ebenso mit der Saat des Goldregens, sie leben heute noch – munter schenken sie mir Enkelkinder!

Weiterhin ist Herr Augstein der Ansicht, dass ein Taxus nur als Randbepflanung auf Friedhöfen geeignet ist. Na gut, er ist noch jung, jünger als ich, er kann ja noch lernen. Vielleicht war er ja auch schon in britischen Gärten – und vielleicht revidiert er seine Meinung bis zum Ende des Buches. Ich bin ja gerade am Anfang, und ich habe auch schon viel gegrinst beim Lesen. Besonders über die Orchestermusiker, die er beschreibt.
Ich sag euch demnächst, wie das Buch ausgeht. Gartenbeschreibungen sind manchmal spannender als ein Roman – und er meint ja auch, Garten light gibt es nicht – entweder alles oder nichts, drum raus auf die Scholle, der Winter ist bald vorbei.

Kommentare:

  1. Guten Morgen Sigrun.
    "Raus auf die Scholle"?
    Das kannst du hier vergessen:
    Entweder ist der Boden gefroren (momentan -6°C) oder matschig.
    Das Gärtnerleben kann hier bei mir noch warten.

    Liebe Grüße
    an die Eibenliebhaberin!

    AntwortenLöschen
  2. Gut zu lesen dass man Eiben bis in altes Holz zurückschneiden kann, dann werde ich mal meine Säuleneiben um die Hälfte einkürzen. Irgendwann wachsen sie sonst in den Himmel und was sollen sie da oben?!:-)

    LG Lis

    AntwortenLöschen
  3. Wunderbar, liebe Sigrun! Was gibt es Schöneres als Enkelkinder, die auch mal einen Garten haben wollen. Sie haben eine echte Beziehung zum "Grün" aufbauen können!!! Wer hat heute schon die Möglichkeit dazu!! Die meisten Kinder kennen doch nur mehr technisches Gerät wenn sie um Erwachsene herum sind. Meine Eltern waren ja Gartenplaner, trotzdem hatten wir anfangs nur einen kleinen Reihenhausgarten mit Gras. Mein Interesse wurde geweckt bei Spaziergängen im Wald, wenn mein Vater uns die lateinischen Namen der Bäume vorsagte, grins. Jedenfalls habe ich von kleinst auf mitbekommen, dass Thujen in Gärten ein No go sind, und das schon in den 60ern. Trotzdem findet man sie bis heute in jedem zweiten Garten vor. Wenn ich hinter meinem PC Bildschirm durch das Fenster in meinen Garten schaue, sehe ich auf die Eiben hinter den Birken und ich liebe sie. So satt grün, egal bei welcher Temperatur. Sogar die Nadeln des Mamutbaums, des Wacholders werden im Winter irgendwie gräulich, stumpf inder Farbe. An den Eiben bleibt mein Blick das ganze Jahr über gerne hängen. Es ist das bestimmte Grün, das ich so liebe. Formschnitt macht es noch tiefer, weil gleichmäßiger. Ich liebe es einfach!
    Irgendwie habe ich das Gefühl, dass Liebe an den Pflanzen hängen bleibt und man das spüren kann (oder sie uns wiederlieben?) In deinen alten Gartenbildern wächst auch Liebe, du hast sie gepflückt und an deine Enkel weitergegeben, sie werden diese Liebe später wieder suchen und in die Erde senken. Das denke ich jedenfalls :-)
    Ich finde ja überhaupt, dass jede Schule einen Garten haben sollte und die Schüler regelmäßig darin "arbeiten" sollten. Das würde die Welt verändern, innerhalb einer Generation...

    AntwortenLöschen
  4. Liebe Sigrun,
    Thuja... Uuuuuuh, NIE IM LEBEN! Eiben hingegen finde ich sehr schön. Vor allem dann, wenn sie in Form geschnitten sind.
    Herzliche Grüsse,
    Nadia

    AntwortenLöschen
  5. Haha... soll ich jetzt schreiben, was ich am Montag gemacht habe? Wir haben eine Eibe ziemlich radikal zurückgeschnitten!!! Aber ich glaube, wir verstehen uns da schon richtig... ich habe grundsätzlich nichts gegen Eiben und auch nicht gegen Thuja. Diese Eibe allerdings war völlig verwachsen. Sie steht in der äußersten Ecke des Gartens bei den Nachbarn und nur ich hatte "etwas von ihr", weil sämtliche Äste in meinen Garten ragten. Die Äste haben sich auch durch den Gemeindezaun gebohrt und wurde noch nie zurückgeschnitten. Entsprechend sah sie auch aus. Unten kahl und oben ein riesiges Dach über meinem Kompost. Ich habe da nicht lange gefackelt!
    Wenn sie gepflegt sind, sind sowohl Eiben, als auch Thuja wunderschöne Pflanzen, die dem Garten auch im Winter eine schöne Struktur geben!
    Viele Grüße von
    Margit
    P.S.: Die Bemerkungen in dem Buch, finde ich klasse!!!!

    AntwortenLöschen
  6. Hallo Sigrun, beim Anblick trostloser Gärten kommt mir immer der Gedanke, wie nett könnte es mit ein wenig liebevoller Bepflanzung dort aussehen - ja, oft nur mit Thujahecke umgeben...als wir Ende der 80er Jahre in unser Haus zogen war nicht mehr das Geld da und so war die Thujahecke eher aus Unkenntnis gut und günstig schnell gesetzt. Der Nachbar war etwas kapitalkräftiger und so steht eine Eibenhecke an der gemeinsamen Grundstücksgrenze. Dafür bin ich heute noch dankbar, denn unsere Thujen sind größtenteils schon lange Geschichte und durch Sträucher bzw. Zaun ersetzt. Für mich gibt es kein größeres Kompliment als das meiner Kinder, die mit Ende zwanzig meinen Garten mit seinen Pflanzen und Lebewesen wertschätzen und ihn genießen.
    Morgen geht's auf die Scholle...zumindest klingt die Vorhersage für dieses Wochenende gut - mal schaun.
    LG Marita

    AntwortenLöschen
  7. Augstein jr....? Vielleicht hättest du mich fragen sollen...;-). LG Lotta.

    AntwortenLöschen
  8. Hihi... ich dachte schon: Auweja, wie gut, dass Sigrund nicht meine Bücher liest. Aber nun muss ich Dir doch Recht geben, denn der Herr Schreiberling lästert da über einen meiner Lieblingsbäume und das geht gar nicht! Jawohl, sapperlot! Und weisst Du was? Zum Trotz werde ich in diesem Jahr noch eine Eibe pflanzen. So, nun hat er den Dreck :o). Hab ein vergnügtes Wochenende.
    En liebe Gruess
    Alex

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Entschuldige, ich bin wohl etwas müde oder über diese herablassende Art über Eiben zu schreiben enerviert, so dass ich Deinen Namen falsch geschrieben habe: Sigrun sollte das natürlich heissen :o).

      Löschen
  9. Ich hätte ja im Leben nicht gedacht, dass er ein Gartenbuch geschrieben hat, denn ich kenne ihn nur aus politischen Talkshows. Eibe ist nicht nur giftig, sie ist auch Medizin. Ich weiß, wovon ich rede.

    Viele Grüße
    Margrit

    AntwortenLöschen
  10. Ich habe mich beim Lesen auch sehr geärgert. Am schlimmsten war die Passage über Schneckenbekämpfung und dass man ja wohl jedes Gift dafür nehmen könne, denn Igel blühen schließlich nicht.
    VG
    Elke

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Soweit bin ich noch nicht, und jetzt kämpf ich mich erst recht durch den Rest!

      Löschen
  11. An der Randbemerkung finde ich die Schrift interessanter als den Text.
    Schau Dir mal das Q an. Ich habe viele Schriften gesehen. Aber so eine noch nicht. Und das Ausrufezeichen sieht aus wie 'ne Kirsche mit Stiel. Eine letzte Frage: Was hat Dein Urlaub bewirkt, dass Du Deinen Undergardener, den uns allen so vertrauten Mr. W., plötzlich mit 'mein Mann' betitelst??? Das hat doch was zu bedeuten. Hat er seinen Job gekündigt?
    Ein schönes Wochenende und liebe Grüße Edth

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Moin, du hast eine blühende Phantasie, Edith! Kirsche an Stiel, das neue Wochenenddessert? Keine Sorge, mit Mr. W. ist alles paletti, wenn man mal davon absieht, dass der Kaffee heute zu dünn ist.

      Löschen
  12. Liebe Sigrun, Anfang der 80er Jahre las ich das Buch "Grün kaputt", ein Plädoyer gegen Nadelbäume in deutschen Gärten. Ich habe das Buch nicht mehr und kann mich auch nur dunkel an den Inhalt erinnern. Keine Ahnung, um welche Immergrünen es ging, aber es hat mich doch beeinflusst. Seither bin ich ein Fan von Laubbäumen. Aber ich lasse alles leben - auch die Nadelbäume, die andere in unseren Garten gepflanzt haben. Ob Kiefern, Scheinzypressen oder Eiben.
    Ich habe als Kind übrigens mit Ginsterschoten kochen gespielt...

    AntwortenLöschen
  13. Liebe Sigrun,
    na, da weiß ich jetzt, welches Buch ich nicht lesen muß! Ist ja lustig mit den Randbemerkungen...Ich kann mich nicht erinnern, jemals eine so große Eibe wie die in deiner Omas Garten gesehen zu haben. Wirklich schade drum. Vielleicht hätte die noch in Form gebracht werden können.Die alten Gartenfotos erinnern mich an den Garten meiner Großmutter, der Haus und Straße weichen mußte. Ich mochte ihn sehr. Er lag ca. 200 m von meinem jetzigen Haus entfernt.
    LG kathinka

    AntwortenLöschen
  14. Ich habe bei Eiben immer ein komisches Gefühl, obwohl ich sie mag. Unser letzter Garten lag allerdings in der Friedhofsstraße am Wald und oft habe ich auf der Terrasse gesessen, wenn das Glöckchen läutete. Dann habe ich auf meine Eiben vom Vorgänger gestarrt und mir gedacht....man sind die düster und häßlich. Es war allerdings ein Mini-Garten und die Eiben nicht geschnitten. Mein Mann sägte einen nach dem anderen ums und kürzte einige in der Höhe, damit wir wieder Sonne bekommen. Interessant, dein Buch und vor allem, dass dein Bruder nicht dein Gartengen hat.
    LG Sigrun

    AntwortenLöschen
  15. Zu gerne würde ich mal ein bereits von dir gelesenes Buch ausleihen, zu neugierig machen mich deine Randbemerkungen.
    Friedhofsrakete - den Begriff muss ich mir unbedingt merken - göttlich!

    AntwortenLöschen
  16. Bin ja gespannt, was Du noch alles Entdeckst im Buch. Vielleicht sollte ich öfters Notizen in meine Bücher machen....
    Mara-Tiziana

    AntwortenLöschen
  17. Als wir vor einigen Jahren Haus und Garten kauften, "erbten" wir eine hohe, säulenförmige Eibe als Abschluss einer Hecke. Ich sehe Eiben neutral. Aber unsere ist eine besondere Eibe, denn sie hat schon Generationen von Spatzen und Singvögel vor den Angriffen der Elstern geschützt. Durch das Eibendickicht kommen die großen Vögel nicht durch und die kleinen lachen sich ins Fäustchen.

    Viele Grüße,
    Anette

    AntwortenLöschen
  18. Eine tolle Buchvorstellung. Bin jetzt direkt neugierig :-)
    Aber die alten Gartenbilder sind genial! Und das alte Auto hinterm Zaun!
    Schade dass du den Garten nicht übernehmen konntest.

    AntwortenLöschen