Donnerstag, 18. Februar 2016

Praia, Santiago, Cabo Verde

Neuer Tag, neuer Hafen. Heute mal Praia auf Santiago, Kapverden. Die Menschen hier sehen anders aus als auf der letzten Insel. Schwarzafrikaner, so habe ich es verstanden. Arbeit fehlt zumeist, viele stehen am Hafen, gelangweilt - und warten auf die Touristen, bieten ihre Taxen an.
Die Busse für die Aidagäste stehen in Reih und Glied, um sie auf ihre Ausflüge zu bringen.
Zuerst dachte ich: Mensch, sind wir hier in Griechenland? Akropolis? Aber nur ein Gedanke, es ist Praia.

Ich liebe Sonnenauf- und untergänge, immer wieder schön, egal wo.
An diesem Tag hat keiner der angebotenen Ausflüge zu meinem Rücken gepasst. Zu sportlich, zeitlich zu lange. Also machte ich mich alleine auf den Weg. Mit einem Shuttlebus fuhr ich in die Stadt. Vorher wird man darüber informiert, dass man sein Geld, die Pässe und Wertgegenstände in der Kabine lassen soll, da es immer wieder zu Überfällen komme. Große Kamera, daheim in der Kabine gelassen, mit der Kleinen im Bus. Ich fühle mich nicht wohl, das wird mir schnell klar. Ich sehe Menschen, die Waren verkaufen, am Boden, schon aus dem Bus. Nachher erzählten andere, die Frauen verkaufen auf dem Markt die Dinge, die wir in die Kleidersäcke stecken. Traurig.
Der Palast des Präsidenten, ich laufe hinter einer geführten Gruppe her, in der scheinbaren Sicherheit. Irgendwie beschleicht mich Angst. Ehrlich. Meine Nackenhaare stellen sich, ich werde angebettet, ich bin allein.
Der Park des Präsidentenanwesen, bewacht von freundlich lächelnden Soldaten mit Gewehren.


Alte Kaserne. Ich laufe weiter, solange ich bei der Gruppe bin. Eine am Boden sitzende Frau mit Bauchladen verkauft einzelne Zigaretten. Armut.
Der Guide steht noch am gleichen Platz, an dem ich den Bus verlassen habe, er trägt ein Aidaschild. Neben ihm steht ein Taxifahrer, der mir unfreundlich frustriert ein Taxi anbietet. Vermutlich weiß er, dass ich als Frau alleine nicht bei ihm einsteigen werde. Ich setze mich in den Bus, fahre zurück - ich habe einfach Angst. Am Schiff stehen Polizisten, die ganze Zeit. Alle halbe Stunde kommt ein Offroader der Polizei und spricht mit den Polizisten. Ich bin dann eben an Deck und beoachte von dort aus das Leben.
Auf der Heimfahrt sah ich noch viele Gruppen von Menschen, die Waren verkauften
Junge kräftige Männer ohne Arbeit. Nehmt keine Pässe mit, kein Geld. Ich verstehe warum. Sie haben doch oft keine andere Wahl. Sie strahlen Frust, Hoffnungslosigkeit und Testosteron aus. Beim nächsten Mal nur in einer Gruppe, so viel steht fest. Andere waren mutiger, sie gingen in Gruppen oder als Paare in die Stadt, ich war aber allein. Blöd von mir. Meine Freundin, die Jahre in Afrika lebte, sagte mir, ich hätte recht getan, zurückgegangen zu sein. Egal, eine Erfahrung mehr - und Demut, dass es mir gut geht.

Kommentare:

  1. Da weiß man es mal wieder zu schätzen, dass wir hier leben dürfen! Vieles ist leider so selbstverständlich! Das sollte man sich immer wieder mal vor Augen halten!!!
    Viele Grüße von Margit

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  2. I can imagine you did not feel safe at all, on your own. Nevertheless, it is so sad these people live in poverty without a job and not enough money to live a proper life. You were right to go back to the ship to have a view from the deck and appreciate your life in Western Europe the more.
    Regards, Janneke

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  3. So ein Elend. Die Menschen dort bedaure ich. Keine Perspektive. Aber die Kapverden werden seit kurzem von der Tourismusbranche entdeckt und erschlossen. Damit wird sicher das Leben leichter. Aber damut geht bestimmt auch viel vom Charme und Ursprünglichkeit der Inseln verloren, das ist die Kehrseite.
    LG Gudi

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  4. Also ich hätte das nie im Leben gemacht, in solchen Ländern machen wir grundsätzlich keine Ausflüge auf eigene Faust! Du warst zwar mutig, aber irgendwie auch doch ganz schön leichtsinnig!

    LG Lis

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  5. Da bekommt man Fernweh.
    Tolle Aufnahmen.
    Einen schönen Abend wünscht dir
    Irmi

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  6. O-o! Da sind wir aber froh, dass du noch munter postest!
    LG von Anne

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  7. In einem der letzten Urlaube war ich mit meinem Mann in der Dom. Rep.
    Wir sind auf eigene Faust durch die armen Wohngebiete gelaufen und wurden überfallen.
    Grund war ein dünnes Goldkettchen, das ich abzunehmen vergessen hatte. Die zwei jungen Männer,denen man die Armut ansah, wollten etwas von unserem vermeintlichen Reichtum abhaben. Irgendwie konnte ich sie verstehen. Natürlich sind wir seitdem sehr viel vorsichtiger, wenn wir uns in entsprechenden Ländern aufhalten.

    Deine Entscheidung zurückzufahren war mit Sicherheit richtig.
    Viele Grüße,
    Anette

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  8. Puh, die Armut sieht man ja auch gut an deinen Fotos. Ich glaube, ich wäre im Leben nicht alleine losgezogen. Aber das wirst du an solchen Orten wahrscheinlich auch nie wieder tun. Was geht es uns gut.

    Viele Grüße
    Margrit

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  9. wir wollen schon lange man auf die Cap Verden - aber Dein Bericht ist schon etwas schockierend! Wir wollten dort allein wandern...
    Aber evtl. ist es im Landesinneren ja anders?
    Ich höre oft, es sein ein sehr schönes Land. Einen schönen Urlaub noch!
    viele Grüße von Renate

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  10. Diesmal musste ich googeln, wo du warst...wir nähern uns also Südafrika? Ich freue mich schon drauf. Nein, alleine würde ich nie in diesen Ländern durch die Gegend laufen...ein Jahr Indienerfahrung. Die Bettelei habe ich nie verkraftet...das nagt heute noch an mir. Du hast viel erlebt auf deiner Aida...ich denke...zu viel in so kurzer Zeit. Da braucht man eine Weile, bis man das verarbeitet hat.
    Ganz liebe Grüße, Sigrun
    P.S. ich habe experimentiert und mich doch gegen Sigrun Steinigergarten entschieden....ich kann ja nicht schon wieder so ähnlich heißen, wie du....:-)

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  11. Ja, das Fremde ist faszinierend schön, aber auch manchmal befremdlich.
    Mit Angst und Nackenhaaren, die sich sträuben, macht Urlaub keinen Spaß.
    Danke trotzdem fürs Zeigen der Fotos. So hat der kleine Landausflug sich doch gelohnt. Und es ging ja auch alles gut. Was sagt Mr. W. eigentlich, wenn er Deinen Post liest?
    Ich würde sehr gerne Fotos von der Aida auf dem Meer und noch mehr Sonnenauf- und Sonnenuntergänge sehen. Kommt ja vielleicht noch...
    Ein schönes Wochenende und liebe Grüße Edith

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