Dienstag, 2. Februar 2016

Tour Mindelo - Cabo Verde

 Es war noch früh, als diese Aufnahmen entstanden. 9.38 Uhr Ortszeit, will heißen 2 Stunden zurück für euch. Im Hafen lag das Polizeischiff, im Hintergrund ein Fels.

Ein wunderbarer Anblick, doch verbirgt er die Armut, die uns erwartete.  Die Menschen auf Sao Vicente sind arm. Ein Bürger verdient im Monat im Schnitt 100 Euro, der Besuch der weiterführenden Schule kostet 90 Euro. Wir hatten einen einheimischen jungen Führer, der alle Fragen beantwortete, die wir stellten. Somit legen die Familien zusammen, damit einer mal studieren kann, manchmal gibt es auch Stipendien. Trotzdem merkte man es den Menschen (den wenigen, die ich sah) nicht an, dass es ihnen an etwas mangelte. Dort scheint meist die Sonne, es ist warm, zum Wohlbefinden gehört das dazu. Unserer junger Führer war stolz auf sein Land, das kam deutlich heraus, wenn er darüber sprach oder uns auf seinem Handy mittels eines kleinen runden Lautsprechers die heimische Musik vorführte. Am Meisten auf dieser ganzen Reise hat mich der Besuch dieser Insel beeindruckt.
 Natürlich hatte ich vorher gelesen, dass es sich um ehemalige Sklavenumschlagplätze handelte. Mindelo war 2003 die Kulturhauptstadt protugiesischsprachiger Länder. Und erst die Musik - ich war schon in sie verliebt, bevor ich die Insel betrat, denn auf dem Schiff hörten wir ein Lied von Cesaria Evora, Weltmusik, sie birgt Lebenslust und Melancholie zugleich. Cesaria Evora stammte aus einer Musikerfamilie aus Mindelo und wurde 1941 geboren. Für viele ist sie eine Nationalheilige, und diesen Song, den ihr euch vielleicht mit einem Klick anhört, hat sie auch mit Peter Maffay aufgenommen.

Tiefere Gefühle
Als alle schon durchkreuzten Meere
Meine Heimat, meine verborgene Welt
In der linken Seite meiner Brust.

Voz damor ...

Diese vier Zeilen umschreiben genau das, was ich empfinde, wenn ich ihre Musik höre.

 Im Hafen lagen weitere Kreuzfahrtschiffe und die üblichen Schiffe, die ihren Fang an den Hafen brachten.


Geschossen aus einem der Busfenster in der Innenstadt. Der Bus ist kleiner als unsere Busse, hat keine Klimaanlage und die Plastikfenster lassen sich durch Schieben öffnen. Es hat prima funktioniert, niemand hat eine Erkältung bekommen!;)
 Das Land ist karg, hier gibt es kaum Vegetation. Die wenigen kleinen Pflanzen pressen sich fest an den Boden. Wasser zum Trinken wird gekauft. Auf den kleinen Häusern und Hütten sind manchmal Fässer, die das Regenwasser sammeln, es ist Brauchwasser. Als ich nach Hause kam, besah ich mir im Netz, wo man denn auf den Kapverden Urlaub machen kann, es war mir nicht vorstellbar. Doch war dies ja nur eine Tour, eine Möglichkeit, die Insel kennenzulernen.  Die Hotels, die ich fand, stehen im krassen Gegensatz zu dem Leben der Menschen. Gute Betten, schöne Hotels, Duschen. Damit jeder Tourist mehrmals täglich duschen kann. Wasser? Hier scheint es vorhanden zu sein. Toiletten hatten wir auf der Tour keine, wir gingen ins Gebüsch.
 Irgendwo da unten lag unser Schiff. Die Luft war heiß, Afrika, aber der Wind und die Trockenheit ließen mich das nicht so spüren.


 Da unten seht ihr das Schiff, meine (andere) Freundin sagt immer: Durch deine Tour heizt du alles nur noch an. Die Armut bleibt. Ja, was kann ich denn tun? Lediglich ein Trinkgeld habe ich dem Guide gegeben und er hat sich wirklich gefreut.


 Die Strände waren herrlich. Meer wie in der Karibik, doch die starke Strömung läßt nur an ganz wenigen Stellen ein Baden zu. Dementsprechend gering ist dann der Tourismus. Azurblaues Wasser, viel zu wenig Zeit, am Strand zu sitzen - und doch hat sich dieses Erlebnis tief in mich eingeprägt.


Menschen - alle aus einem oder dann zwei Bussen. Es gab Grogue, kapverdischen Rum. Ich hab darauf verzichtet, um diese Tageszeit bin ich noch nicht trinkfest.
 Die Menschen versuchen, Lebensmittel anzubauen. Gibt es etwas Regen, wächst auch etwas. Wenn nicht, dann liegen die Felder so brach wie die rund um diese kleine Landwirtschaft. Es sind nur kleine Beete, im Vordergrund wachsen Papayas.

Zurück am Hafen saßen wir wieder auf unserem Lieblingsdeck und sahen den Fischern beim Ausladen zu. Die Fische kommen in einen Container, werden mit dem Stapler gerade um die Ecke in den Containerhafen gefahren. Beeindruckend.

Am nächsten Tag gingen wir in Praya, der Hauptstadt der Kapverden auf der Insel Santiago an Land. Davon gibt es wenige Bilder. Ich werde noch berichten. Auf der Fahne der Kapverden sehen wir 10 Sterne, 9 davon sind für die bestehenden neun Inseln und der eine letzte Stern ist für alle Menschen, die ausgewandert sind.

Kommentare:

  1. Danke für deinen Bericht.
    Ich bin beeindruckt.

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  2. Das sollten wir uns immer wieder mal vor Augen führen, wie gut es uns hier eigentlich geht! Ich bin die momentanen Hetzereien und Diskussionen um die Flüchtlinge wirklich leid. Ich weiß auch, dass man nicht alles aufnehmen kann und, dass es eine Begrenzung geben muss... aber dieser Wahnsinn, der momentan hier abläuft geht mir gehörig auf den Geist!
    Ansonsten sind es ganz tolle Bilder, die Du uns mitgebracht hast!
    Bin schön gespannt, wie es weitergeht auf Deiner Reise!
    Viele Grüße von
    Margit

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  3. Lieben Dank für den ehrlichen Reisebericht. So wie du auf den Photos zeigst sieht es schon sehr karg und Öde aus. Es erstaunt mich immer wieder wie viel Wasser für Begrünung von Hotelkomplexen gebraucht wird. Und der Einheimischen Bevölkerung fehlt dieses Wasser zum bewässern der Gemüsegärten.
    Ich freue mich auf deine weiteren Reiseberichte
    Liebe Grüsse Eveline

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  4. Kommt mir jetzt vor als ob ich erst gestern dort gewesen wäre, dabei ist es schon drei Jahre her. Viel verändert scheint sich aber nicht zu haben, außer dass wir damals das einzige Kreuzfahrtschiff waren das im Hafen lag. Die Schiffe bringen aber halt auch Geld ins Land, auch wenn die Hafengebühren dort nicht so teuer sein dürften wie anderswo.

    LG Lis

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  5. Wunderbare Bilder und ein informativer Bericht. Ich werde da nie hinkommen, aber das macht nichts. Ich habe jetzt ja einen Eindruck von der Gegend.

    LG Margrit

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  6. Liebe Sigrun, Dein Post hat mich nachdenklich und auch ein bischen melancholisch gestimmt. Tourismus ist schwierig in diesen Laendern, trotzdem denke ich, es ist besser sie zu besuchen und mit eigenen Augen zu sehen, wie es dort ist als nicht hinzufahren. Wie man sich dann als Gast in einem solchen Land verhaelt kann man dann ja groesstenteils selbst bestimmen.
    Ich bin vor mehreren Jahren in Suedindien in Chennai gewesen und konnte auch nach vier Wochen nicht mit der Armut umgehen.
    Liebe Gruesse,
    Christina

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  7. Also, liebe Sigrun, ich habe die Augen geschlossen und mir die Musik angehört. Zusammen mit Deinen wunderschönen Fotos von der Landschaft, dem azurblauen Meer habe ich jetzt richtiges Urlaubsfeeling und sollte dies jetzt eigentlich mit ins Bett nehmen. Danke und Gute Nacht Edith

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  8. Beeindruckende Bilder zu deinem interessanten Reisebericht.
    LG und einen schönen Abend, Marita

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  9. Es ist schon ein Wahnsinn in was für einem Wohlstand
    die Deutschen leben und dann trotzdem so viel jammern.
    Ich auch manchmal- oje! Da erden solche Bilder.

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  10. Wir nehmen so viel für selbstverständlich gehen wir nicht. Das sieht so eine schöne Insel mit einer solchen Kontrast in der Landschaft. Sarah x

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