Mittwoch, 16. März 2016

Sonnensonntag




 
Die Sonne schien, es war Sonntag und Mr. Wonderful war schon draußen im Garten. Also zog ich mich bei neun Grad warm an und folgte ihm. Nicht etwa, um sehr viel zu tun, nein, bei Bodenarbeiten kann ich nicht mithalten, das macht er allein. Aber um hier und da zu schnippeln, Laub aus den Hostatöpfen zu klauben und eine große Schale Winterlinge in den Beeten zu versenken – dazu hatte ich Lust. Meine Freundin hatte mir die Winterlinge ausgegraben, im vorauseilenden Gehorsam, wie sie sagte.
Weiterhin zeigte ich ihm mit meinem langen Zeigefinger, wo noch zu krauten war, wo die wilde Möhre sich breitgemacht hatte, weil ich viel zu freundlich zu ihr war. Viel zu freundlich, weil ihre Blüte mir so gefällt. Nun hatte ich aber mal beschlossen, dass alles, was sich zu sehr aussamt oder läuft, in meinen Beeten nichts mehr zu suchen hat, weil er sich dann darum kümmern muss, und das geht gar nicht – denn er hat auch so schön genügend zu tun.

Ich grub nach einem verschollen geglaubten Epimedium rubrum, dass die Wühlmaus überschüttet hatte. Und siehe da, es machte mir die Freude und hatte überlebt. Ich grub es aus und legte es an einen Platz, an welchem Mr. W. es gleich wieder eingrub. Auch den armen weißen gefüllten Helleborus vergaß ich nicht, wartete er doch bereits seit drei Jahren darauf, dass ich ihn endlich hochnahm und an eine andere Stelle setzte, wo die Wurzeln von Sträuchern ihn nicht so sehr drückten. Der Arme hat einen Frostschaden vom Winter 2011-12, und ich habe ihn sträflich vernachlässigt. Die Wangen glühten mir und sie taten es lange, zeitweise glaubte ich noch, erkältet zu sein, weil sie so rot waren. Vielleicht auch der erste Sonnenbrand?

Er grub mir drei Helleborus aus, die an einer untauglichen Stelle aufgegangen und gewachsen waren, nur blühten sie nicht. Es fehlte ihnen an Nahrung. Und so topfte ich sie in große Töpfe und habe noch nicht entschieden, ob ich sie behalte oder sie in liebevolle Hände gebe, weil ich auch nicht mehr allzuviel Platz habe, wenn es nicht in einer kompletten Helleborus- und Hostamonokultur enden soll. Ich glaube, das möchte hier niemand. Er setzte ein paar Steine, damit man im Eifer an der Kurve zum Kompostkasten nicht in das Beet tritt, dass an der Ecke liegt. Mit glücklichen Händen verteilte ich schönen trockenen Kompost, der mir zwischen den Fingern durchrieselte. Was für ein Gefühl, wenn man das im Frühling tun kann. Bevor ich esse, bekommen immer zuerst die Tiere – und nun auch die Pflanzen in den Beeten.
 


Mit Freude begrüßte ich die neuen Helleborussämlinge, die seit ein paar Wochen da sind und beschloss, sie nicht wegzuhacken, einmal kann man sie ja wachsen lassen. Hab ich sie doch in den Vorjahren immer gnadenlos umgehauen, damit auch andere Pflanzen in den Beeten Platz hatten. Meine Katze war nicht mit von der Partie, warum auch immer – sie zog mein warmes Bett vor. Wieder einmal beklagte ich, dass ich mir bald den Hals brechen würde, weil die niedrige Trockenmauer oben links noch immer nicht neu gesetzt ist und ich stolperte auch zweimal gegen die Steine, worauf hin ich beschloss, dies nun endlich in Angriff zu nehmen. Es ist im Frühling so elend viel zu tun. Dank negativer Berichte in der Presse überfällt mich immer wieder die Sehnsucht nach meiner Kindheit, wo die Hühner noch glücklich und das Olivenöl nicht verseucht war. Hühner sollte man haben. Aber hier geht es nicht, zu wenig Platz. Gemüse? Das Hochbeet reicht nicht weit, wie schade. 

Und dann ging ich hinter das Gartenhaus und besah mir das Beet, dass dort vor sich hinwächst, unvollkommen, und meist mit etwas Unkraut am Rand. Als ich später über einem Buch saß, kam mir der Gedanke, dass dieses Beet eigentlich überflüssig ist und aus der Zeit stammt, zu der ich noch alles ausprobieren mußte. Das muss ich heute nicht mehr. Und so sprach ich Mr. W. an, ob er nicht auch der Meinung ist, diesen schmalen Streifen zu renaturieren, alle Pflanzen auszugraben und wieder Gras einzusäen. Im Geist suchte ich nach Freundinnen, die meine armen Pflanzen adoptieren würden. Doch sprach bei jeder ein Grund dagegen. 
Die eine hatte einen übervollen Garten, die andere keine Zeit. Bei zweien war der Weg viel zu weit. Ich beschloss also, weiterhin darüber nachzudenken. Wieso hängt man denn an jeder einzelnen Pflanze so sehr? Ob es nun ein kleines Geranium ist oder der schöne Farn aus Great Dixter, den ich unbedingt heimschleppen mußte? Ich sah einfach auch keine andere Möglichkeit im Garten, wohin ich ihn setzen konnte. Wohin mit dem Wiesenknopf und der Glockenblume Elisabeth? Ich wußte es nicht. 

Dann kam mir die Idee, alles zur Seite zu legen, einen Komposter aufzustellen, Mr. W. zu bitten, Hasendraht nach unten und Blasenfolie rundherum innen einzulegen und dann das ganze dort zu versenken. Dann bleibt es bei mir, ich fülle noch mehr auf und nach und nach Erde und oben angekommen, lege ich Kartoffeln ein. Eine gute Idee? Keine Ahnung. Die Ideen überfallen mich in solchen Momenten heftig und von allen Seiten.
Nun soll sich das ganze erst mal setzen, während vor meinem Arbeitszimmerfenster die Sonne scheint und ich feststelle, dass all meine Scheiben dreckig sind und eigentlich noch vor einer Gartenumgestaltung dran wären. Doch mache ich das erst, nachdem die Arbeiter draußen fertig sind. Und dann entscheide ich mich, schwer genug ist das Ganze ohnehin. Schließlich sind Pflanzen Lebewesen.

Bald ist Ostern - färbt ihr Eier?

Kommentare:

  1. Hallo und guten Morgen, wie gerne würde ich solche herrlichen Geschichten aus meinem Minigarten erzählen.....kann es kaum abwarten, bis sich die ersten blauen und hellen Spitzen der Funkien zeigen und das Wuseln im Garten beginnt. Schöne Zusammenstellungen......freuen wir uns doch alle auf den Frühling und einen herrlich bunten warmen Sommer.
    Wuff und LG
    Aiko

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ach - Sigrun - natürlich färben wir Eier ....diese Mal am Meer mit dem kleinsten Enkelkumpel.....freue mich. Schöne Feiertage auch Dir und Mr. Wonderful. Aiko

      Löschen
  2. So einfach mit dem Zeigefinger auf die Arbeit zu deuten und sie wird dann gemacht....Das würde ich auch gerne mal machen können, allerdings sind bei uns die Vorzeichen anders als bei euch, Hier bin ich diejenige die fitter ist und zum gärtnern hatte mein GG noch nie Talent und erst recht keine Lust. Von daher hält sich auch meine Lust zum umgestalten in Grenzen, letztendlich bleibt doch eh wieder alles an mir hängen.
    Soll er halt Eier färben, das wird er wohl noch hinkriegen :-)

    LG Lis

    AntwortenLöschen
  3. Euch hält es auch nicht mehr im Haus! Bei beim schönen trocken-kalten Wetter muss man einfach raus und deine Pläne werden sicher Früchte tragen. Die Winterlinge Von vergangenen Jahr glaubte ich schon verloren, aber ich glaube es rührt sich noch etwas in der Erde, mal abwarten, was da kommt. Das kleine Kartoffelbeat hört sich vielversprechend an. Früher haben wir Kartoffeln mit den Kindern in große schwarze Eimer gesetzt und das hat gut geklappt. Weiterhin frohes Schaffen, Birgit

    AntwortenLöschen
  4. I had a good laugh, pointing to the garden chores with your forefinger and your husband is there.... I also should like to do that sometimes, but my husband still has an own job and does not know a lot about gardening, so for the time being I´m fine. Anyway, it is not too bad, he trims the hedges and takes care of the woodstove.
    It´s rather cold but sunny, time for the garden again.
    Regards, Janneke

    AntwortenLöschen
  5. Eigentlich möchte ich auch hinaus... aber heute ist es zwar sonnig - doch sehr, sehr windig. Es hat mir gleich meine Ostereier vom Strauch geweht. Natürlich färbe ich auch ein paar Ostereier - das gehört einfach dazu!
    Einen schönen Tag wünscht Dir
    Margit

    AntwortenLöschen
  6. Wieso habt ihr keine Hühner? Legt euch doch welche zu :) Wenn sie dir so schön in Erinnerung geblieben sind. Ich hätte gerne was von dem Helleborus abgenommen, aber leider hoppeln unsere Hasen im Garten herum. Und da jetzt extra eine giftige Pflanze setzen, möchte ich vermeiden. Es sind ja so schon genug Giftpflanzen in meinem Garten...
    GLG Tatjana

    AntwortenLöschen
  7. Liebe Sigrun,
    die Sonne lockt, aber das ist trügerisch - kalt ist es trotzdem :-)
    Aber ein paar Schnippeleleien kann man schon machen.
    Und knallbuntes Eierfärben ist hier ein Muss ;-)
    Ganz viele liebe Frühlingsgrüße
    sendet dir die Urte

    AntwortenLöschen
  8. Liebe Sigrun,
    hier ist es zwar sonnig, aber der Wind ist bitterkalt und da müssen meine Beete noch auf die Eröffnung der Gartensaison warten. Mir gehen bei der Gartenarbeit auch immer zig Gestaltungsideen bzw. Gedanken durch den Kopf...drinnen muss ich dann erstmal sortieren und vor allem notieren. ;-) Ich hab dir bei mir geantwortet.
    LG Marita

    AntwortenLöschen
  9. Hallo Sigrun,
    heute scheint hier endlich die Sonne und es ist windstill. Endlich ist es wieder toll im Garten zu arbeiten! Und dabei kommt man chronisch auf neue Ideen, ich kann das gut nachfühlen. Manchmal muss man allerdings die Sache ein wenig sacken lassen, um zu sehen, ob die Idee wirklich gut ist. Du wirst dich sicher richtig entscheiden!
    Liebe Grüße
    Katharina

    AntwortenLöschen
  10. Hallo Siegrun, ich musste köstlich lachen über deinen Kommentar..... ich werde dir meinen Herzensmann mal vorbei schicken ..... da kannst du mal die Leviten lesen ;-). Nee Scherz beiseite .... Er hat auch seine guten Seite, nur leider nicht den gleichen Geschmack. Schöne Geschichte übrigens, sobald die Sonne raus kommt, will man sie einfach nur noch genießen. Ich sende dir jetzt viele Grüße, eine gute Zeit, bis bald
    Christin

    AntwortenLöschen
  11. Mit klammen Fingern hab ich schon im Gewächshaus gestanden und ein paar Stiefmütterchen in Töpfe gesetzt, vielleicht kann ich den Frühling locken. Mein lieber Mann hat keine Geduld, der hat schon Bohnen in die Erde gebracht, vielleicht nimmt sich das der Frühling zu Herzen ;-).
    Gartengrüsse, Katja

    AntwortenLöschen
  12. Liebe Sigrun, wir haben am Wochenende nur geschreddert. Ich wünschte, ich hätte den Kompost auch schon verteilt. Aber dazu muss ich ihn erstmal freiräumen. Mein GG hat jede Menge überflüssiges Gerümpel rundherum verteilt. So hat jeder seine Probleme☺

    AntwortenLöschen
  13. Liebe Al, da wart Ihr aber schon ganz schön aktiv im Garten! Und hattet auch einen tollen Gartentag erwischt - heute, bei dem Wind und der eisigen Kälte hätte Euch das bestimmt keinen Spaß gemacht.
    Ich muss unbedingt mal wieder in Deinen Garten kommen, ich war ja schon so ewig nicht da und Ihr habt so viel verändert ...
    Ostereier färben wir keine, das haben wir gemacht, als die Kinder noch Kinder waren. Aber mal sehn, irgendwann kommt bestimmt auch das Eierfärben wieder ;)
    Liebe Grüße, Moni

    AntwortenLöschen
  14. ... so ist immer was zu tun - aber ist es nicht auch schön, wieder im Garten zu werkeln? Ich liebe es und geniesse jeden Sonnenstrahl :-)
    Viele Grüße aus dem heute sonnigen, warmen München von Renate

    P.S. ich geh immer so gern mit Dir auf Reisen und Gartenreisen! Vielen Dank dafür!

    AntwortenLöschen
  15. Hallo Sigrun!
    Ein wundervoller Beitrag aber es ist schade um die Pflanzen. Ich hätte sie gerne genommen, denn Platz finde ich immer ;) aber leider wohne ich ja irgendwoh im nirgendwo :)
    LG
    Sabine

    AntwortenLöschen
  16. Toll, dass es bei Dir schon so schön grünt und blüht und die Hostas vor Gesundheit nur so strotzen! Nein, Spaß beiseite.
    Ja, ich verstehe Deine Sorgen und Gedanken. Im Frühjahr weiß man wirklich nicht, wo man zuerst anfangen soll... im Garten oder bei den Fenstern.
    Da ist es am besten, man setzt sich in eine Ecke und überlegt oder schreibt am Computer Kommentare und bekommt dabei kalte Füße wie ich.
    An zwei Tagen habe ich es schon versucht mit der Gartenarbeit. Es ist einfach noch so kalt. Aber das sind ja alles kleine Sorgen. Die Natur wird auch ohne unser Zutun aus dem Winterschlaf erwachen.
    Ein schönes Wochenende wünscht Edith

    AntwortenLöschen
  17. Oh wie schade um die Sämlinge! Ich wäre dankbarer Abnehmer gewesen. ;-) Obwohl auch unser Garten ja nicht zu voll werden soll, daher verstehe ich Dich auch.

    An den Pflanzen hängt man schon irgendwie - es ist ja auch etwas Selbst Erschaffenes, so ein Beet. Jede Pflanze hat oft eine besondere Geschichte. Doch mir ginge es überwiegend ähnlich ... die meiten wollen keine Pflanzen mehr, wollen überhaupt keine überfüllten Gärten mehr ... nur Rasen, ein paar Koniferen - bestenfalls im Frühlling noch Tulpen - das wars!

    Sehr dekorativ übrigens, der Topf auf dem Stab!

    Eier färbe ich schon lange nicht mehr ,das hat mir nur Freude gemacht, als meine Kinder noch Kinder waren. Doch die interessierts heute nicht mehr un für mich allein - ich brauch' diese Zusatzarbeit nicht, da schaue ich mir lieber die Eier Anderer an.

    Liebe Grüße auch hier
    Sara

    AntwortenLöschen