Sonntag, 23. Januar 2011

Kompost - mein schwarzes Gold

Ich kann mich nicht erinnern, in meiner Kindheit Kompost gekannt zu haben - vielleicht habe ich nicht darauf geachtet. Heute weiß ich das braune Gold zu schätzen und ich habe mir – am Anfang meiner Drittkarriere als Gärtnerin (dritter Garten) – ein kleines Buch der Abtei Fulda zugelegt. Seitdem weiß ich (erneut) dass ich nichts weiß!


Bei mir kommt alles auf den Kompost, außer Wurzelunkräutern und blühendem Felberichabschnitt und Konsorten. Aber Pflanzen wie Echinacea, Alchemilla, Digitalis – warum nicht? Ich brauch mir auf diesem Wege der Weiterverarbeitung jedenfalls keine Sorgen machen, dass die Fingerhüte bei mir ausbleiben. Sind sie abgeblüht, lasse ich sie reif werden und schreddere sie. Im Frühling oder Herbst, manchmal auch zwischendrin bei einer Neupflanzung, wird der reife gesiebte Kompost auf den Beeten oder in Pflanzlöchern verteilt.

Während des Reifevorganges im Kompostkasten sticht mein Mann immer mal mit der Mistgabel hinein und *rührt* ihn um, sehr hilfreich bei der Verrottung! Der Kompost rutscht dann immer in wenigen Tagen total zusammen. Ich kann Stunden damit verbringen, um meinen Kompostkasten zu schleichen, zu sehen, wie er sich verändert, zu sehen, wie manchmal eine Woche nach einer neuen Füllung schon ein Kürbispflänzchen dort wächst – und nicht bleiben darf! Gärtnerins Glück ist es auch, den gesiebten Kompost durch die Finger rieseln zu lassen, sich zu überlegen, wo er Gutes tun kann. Und schon sind wir mittendrin – wir pflanzen und geben Kompost in ein Loch. Überall, wo mein braunes Gold hingekommen ist, wachsen in kurzer Zeit auch Frauenmäntel, Fingerhüte, Kronenlichtnelken, Kaukasisches Vergissmeinnicht und Geranium. Ein wahres Wunder! Was will ich denn mit einem sterialen aalglatt gepflanzten Garten? Wo jede Pflanze nur wachsen darf, wie die Gärtnerin es wünscht? Ich selbst mag es gar nicht, wenn mich jemand zwingt, warum sollte ich es meinem Garten zumuten? Nur da, wo ein Fingerhut sich selbst hinsetzt, gefällt es ihm auch! Nur da!!

Wenn der Rasenmäher surrt, werde ich innerlich unruhig – denn ich weiß, mein Kompost kriegt Futter! Argwöhnisch von meinem Mann, dem Undergardener, beobachtet, schütte ich Füllung für Füllung in die Kästen, und weiß, dass er bei MIR nicht klumpen wird, weil ich ihn unterarbeite, ihn unterhebe mit der Mistgabel. Gras, welches man nicht einarbeitet, wird zur braunen stinkenden Matte und vergeht nie, ich sehe das bei meiner Nachbarin, die immer nur drauffüllt. Es verrottet so gut wie nicht.


Und stolz stehe ich am Zaun, wenn mein netter älterer Nachbar fragt: Sag mal, wo hast du denn die schöne braune Erde da her? Und deutet auf meinen Hügel mit fertigem Kompost. Dann lächele ich und sage: Das nennt man Kompost, das habe ich selbst gemacht! Er meint, einen Kompost habe er auch, aber so schön wie meiner wäre er nicht.

Vielleicht liebt er auch seinen Garten nicht so wie ich den meinen, mit all seinen Macken, seinen elenden Steinen, dem matschigen Lehmboden nach starkem Regen, dem vielen Unkraut, das geflogen kommt, dem Kummer, den er mir bereitet, weil der Boden von Quellen durchsetzt ist und so viele Pflanzen mir eingehen, weil sie nasse Füße nicht mögen!

Meine Tochter wünscht sich einen Sack Kompost von mir, sie kann ihn gerne haben und auch meinen Rat, gut auf die aufgehenden Samen zu achten, sie sind oftmals wertvoll, weil Stauden!


Der Kompostplatz, drei bis vier Komposter stehen dort. Alle Küchenabfälle und alles aus dem Garten (fast alles) kommt da rein.

Auf einem Komposter liegt eine Holzpalette - mein Arbeitsplatz. Dort topfe ich Sämlinge, Pflanzenabstiche und geteilte Hostas.

Eine Hilfe haben wir auch - alleine wäre das nicht zu schaffen!

Und da - vorne links, wo jetzt kein Kompost mehr liegt, weil er schon in den Beeten ist, da sieben wir den Kompost und türmen ihn, bis er verbraucht wird.

Kommentare:

  1. Da schimmert echte Leidenschaft überall zwischen den Zeilen hervor! Und beweist, dass mit Liebe gemacht alles einfach besser gelingt!
    Danke für diesen Bericht und für die wertvollen Tipps, werde mich dran erinnern, wenn das nächste Mal Rasenschnitt auf den Kompost kommt :-)
    Liebe Grüße
    Elisabeth

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  2. Ach ja, nix geht über selbstgemachten, wunderbaren Kompost! Nur manchmal braucht's seltsam lange - auf meinem Acker fällt die Füllung immer so engagiert zusammen, daß ich argwöhne, es wandert durch die Erde nach Neuseeland. Da türmt vermutlich ein riesiger Haufen und wird bestaunt ;) .
    Deine Gartenhilfe ist sehr niedlich!

    Liebe Grüße, Cottage Rose

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  3. Eine Ode an den Kompost - schön!
    Bei uns gibt es auch vier Kompostvillen aus Latten, es fällt ja wirklich viel Grünzeugs an im Laufe eines Gartenjahres. Wobei ich auch sehr viel direkt auf die Beete gebe als dünne Mulchschicht. Rasenschnitt kommt bei uns nie auf den Kompost, den benötige ich im Gemüsegarten zum Mulchen und unter den Beerensträuchern. Und da der Rasen immer weniger geworden ist im Lauf der Jahre, leide ich sowieso an chronischem Rasenschnittnotstand.
    Bei meinen Eltern, wo es schon immer einen riesigen Gemüsegarten und zudem einen großen Stauden- und Obstgarten gibt, wurde nie Kompost gemacht. Sie holten sich als Dünger immer Mist vom nachbarlichen Bauernhof. Den ganzen Grünschnitt transportierten sie in den familieneigenen Wald. Ganze Berge Stauden- und Rasenschnitt sind dort gelandet. Aber siehe da, meine Mutter will jetzt auch "mit dem Kompost anfangen", hat sich einen Häcksler gekauft und mich ausgefragt, wie das denn alles funktioniere so ganz ohne Mist vom Vieh. (Dass es funktioniert, sieht sie ja.) Nun ja, Kompost kommt scheinbar in Mode.
    Liebe Grüße, Margit

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  4. Hallo,

    Ein schöner und lehrreicher Text ist das.
    Eine Anmerkung hätte ich allerdings: Bei uns wird auf keinen Fall mit der Mistgabel wild im Kompost rumgestochert, sondern nur gaaanz vorsichtig am Rand was weggenommen. Warum ?
    Weil die Kompostmiete der Lieblingsunterschlupf von drei fetten Erdkröten ist, und die möchte ich nun wirklich nicht aufspießen !

    Grüße, KatjaK

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  5. Eine gute Beschreibung für jene, die sich mit Kompost noch nicht so auskennen. Und auch für uns, die wir schon ein wenig weiter sind. Manchmal übersieht man auch gerne etwas.

    Auch hier gibt es einen Garten, der nicht gestriegelt ist. Und - wir haben 2 Kompostmieten, sie werden ständig vom Signore leidenschaftlich bearbeitet. So ähnlich, wie du es beschreibst. Allerdings haben wir schon einmal einen von selbst erschienen Hokaido-Kürbis dort zügellos wachsen lassen. Er brachte über 20 wunderschöne Früchte hervor.

    LG, Brigitte

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  6. Mangels Platz habe ich nur zwei Behälter. Einer ruht und einer wird aufgefüllt. Ich bin jedes Jahr dankbar für meinen Kompost. Die Erde wäre ohne ihn lange nicht so schön. Leider bin ich immer auf die Hilfe meines Mannes angewiesen, der dann sieben und umsetzen muss.
    Aus deinem Bericht spricht so viel Leidenschaft. Man merkt deine Liebe zum Garten.
    Ach ja, so eine süße Hilfe hätte ich auch gerne. :)

    Viele Grüße
    Margrit

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  7. Schöner Post, liebe Sigrun - dD liebst Deinen Garten- das weiss ich!
    HG und ich hoffe, dass jetzt der Link funktioniert!
    Birgit

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  8. Eine echte Liebeserklärung an das braune Gold des Gärtners! Ich mache es auch ähnlich wie du, aber ich muss gestehen, mein Kompost ist nicht immer so schön wie du deinen beschreibst. Vielleicht bin ich zu wenig fleissig mit meiner Gabel ;-) !! Aber ich habe immer wunderbare Lauberde :-), das ist mein persönliches "Gold"!
    Liebe Grüsse,
    Barbara

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  9. Al, das ist ein wunderschöner Artikel über ein Thema, mit dem ich mich noch nie ríchtig befasst habe.

    Vor ein paar Jahren habe ich mal mit einem Thermokomposter beginnen wollen, aber in einem Mehrfamilienhausgarten ist das ein Thema, das man leider besser sein lässt. Wir hatten einmal Mitbwohner, die meinten, man müsste sämtliche Essensreste in den Kompost werfen (obwohl wir ja eine braune Tonne haben), als ich das gemerkt habe, war das Thema Kompost für mich durch!
    Aber Dein Artikel macht richtig Lust drauf, es vielleicht doch noch mal zu probieren, denn die Nachbarn haben mittlerweile ja auch gewechselt.
    Liebe Grüße, Moni

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  10. Hallo,

    ich kann mich hier nur anschließen, sehr schön geschrieben und ich kann hier nur sagen, Komposterde ist super und wird immer und überalle gebraucht.

    Danke auch für Deine lieben Worte in meinem Blog.

    Viele liebe Grüße von Nadelmasche

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